Über die alten und neuen Mysterien – 05 – Von einigen besonderen die Mysterien angehenden Stücken


cropped-pompeii-villa-of-mystery-3Ehe ich die Geheimnisse der Alten an sich etwas genauer untersuche, muss ich noch einige besondere Stücke erwähnen, die denselben eigen gewesen sind, und einer näheren Untersuchung bedürfen. Und dahin gehört zuerst, dass sie bei Nacht gefeiert wurden. Dass dieses von allen insgesamt gegolten, kann zwar nicht mit völliger Gewissheit erwiesen werden, aber es ist doch aus der Übereinstimmung, die in so vielen anderen Stücken unter den verschiedenen Mysterien geherrscht, und aus ihrem allgemeinen Ursprung sehr wahrscheinlich. Von den eleusinischen Geheimnissen ist es gewiß, dass sie zur Nachtzeit gefeiert wurden. Wenn Cicero das Gesetz erklärt, wo unter anderem auch die nächtlichen Opfer- und Gottesdienste verboten werden, so nimmt er ausdrücklich die eleusinischen Geheimnisse davon aus, als solche, die gleichfalls bei Nacht gefeiert worden sind. (Cicero de Legib. Lib. II. e.14) Als Kaiser Valentinian die nächtlichen Opfer bei den Griechen abgeschafft haben wollte, machte ihm Prätextatus, damaliger Prokonsul von Griechenland, in Ansehung der Geheimnisse, Vorstellungen. Es werden da nicht die eleusinischen Geheimnisse genannt, sondern die Geheimnisse überhaupt, und wenn gleich wahrscheinlich ist, dass Prätextatus auf die eleusinischen sein vornehmstes Augenmerk gerichtet, so war dies doch vielleicht etwas, das auch bei den übrigen Einweihungen gebräuchlich war. Die Sabazia, oder Geheimnisse, welche zu Ehren des Bacchus gefeiert wurden, wurden gleichfalls zur Nachtzeit begangen. (Oppian. Cyneget. Lib. I. 25) Eben das sagt auch Pausanias von den Geheimnissen des Bacchus, von denen die zu Myonien gefeiert wurden, und vielen anderen. Von den kabirischen Geheimnissen ist’s eine bekannte Sache. Aus der Beschreibung, die Apuleius von seiner Einweihung gibt, als er zu den Geheimnissen der Isis eingeweiht wurde, sieht man auch, dass die Zeremonien mit einbrechender Nacht ihren Anfang genommen, und erst den folgenden Morgen, da er aus dem Innersten des Tempels heraus ging, geendigt gewesen. (Apuleji Metamorph. Lib. XI. p. 268,269) Man kann es als eine allgemeine Regel annehmen, dass, wo von Feierung der Mysterien geredet wird, man immer die Nacht dazu genommen. Es scheint sogar, dass man bei einigen Einweihungen sich nicht damit begnügt, dass sie bei Nacht geschehen, sondern sie noch überdies in dunklen Höhlen verrichtet. Tertullian sagt dies wenigstens von den Mithra-Geheimnissen. (Tertull. de Corona milit. qui initiatur in Spelaeo in eastris vere tenebrarum.) Dies gehet sogar so weit, dass selbst bei den Wilden, wie Meiners aus dem Lafiteau gezeigt hat, die Einweihung eines Piaje zur Nachtzeit geschieht. Ich überlasse es anderen, mehrere Beispiele hierüber zu sammeln: Schwerlich aber wird man ein einziges aufbringen, da man dergleichen Feierlichkeiten entweder nicht zur Nachtzeit vorgenommen, oder durch Verdunkelung des Orts und Anzündung der Lichter nicht die Nacht vorgestellet haben sollte.

Diese große Übereinstimmung verdient, dass man die Ursachen dieser Gewohnheit etwas genauer untersucht. So viel ist ausgemacht, dass die Nacht am geschicktesten war, bei den dramatischen Vorstellungen einen tieferen Eindruck auf den Einzuweihenden zu machen, und das Auge durch allerlei Täuschungen zu hintergehen. Diesen Grund hat Meiners als den natürlichsten und wichtigsten angegeben. (Meiners philosoph. Schriften 3.Th. S. 200) Man machte nämlich bei allen Geheimnissen gewisse dramatische Vorstellungen, sie mogten nun die Geschichte der Mysterien, und die Schicksale der Gottheit angehen, unter deren Schutz sie besonders stunden, oder es mogten auf solche Weise gewisse Wahrheiten dem ungebildeten Zuschauer empfänglich und eindrücklich gemacht werden sollen. In dem mittleren Zeitalter pflegte man auf eine gleiche Weise durch förmliche Schauspiele, die man in den Kirchen anstellte, die Wahrheiten der christlichen Religion den Zuschauern einzuprägen. Auf einen Herzog von Sachsen machte die Vorstellung von den zehn Jungfrauen einen solchen Eindruck, dass er krank ward, und wenige Tage darauf starb. Es wurden aber nicht nur in den Mysterien die Geschichte und Schicksale der Götter, unter deren Schutz sie standen, dramatisch vorgestellt, sondern bei den Zeremonien der Einweihung selbst fielen Dinge vor, die eine gewisse Täuschung der Sinne erregten. Man ließ Götter und abgeschiedene Helden erscheinen. Man schreckte den Einzuweihenden auf mannigfaltige Weise, um seine Standhaftigkeit auf die Probe zu setzen. Man machte schleunige Abwechslungen von Licht und Finsternis, u.s.w. Zu allen diesen wurden Maschinen erfordert, die am hellen Tage von jedem leicht hätten entdeckt werden können, und wodurch die ganze Handlung sehr vieles von ihrem überraschenden verloren haben würde, da im Gegenteil bei Nacht alles auf eine geschicktere und unbemerktere Weise veranstaltet werden konnte.

Dieses ist also ein wahrer Grund, warum die Geheimnisse fast durchgängig von den Alten zur Nachtzeit begangen wurden. Wenn ich aber die ganze Sache genauer untersuche, kann ich mich unmöglich überreden, die für den einzigen Grund zu halten. Es ist bekannt, dass die Christen im zweiten Jahrhundert die ganze heidnische Mystagogie in die Kirche hinübertrugen. Der nächtliche Gottesdienst war davon ein nicht geringes Stück. Man hat denselben zwar teils aus der Furcht der Verfolgungen hergeleitet, teils haben auch die Kirchenväter davon manche fromme Ursach angegeben; aber ihr eigentlicher Ursprung ist nirgends anders, als in der heidnischen Mystagogie zu suchen. „Der Nacht“, sagt daher Synesius, Bischof von Ptolemais, „vertrauen wir die Geheimnisse an.“ (Synesius in Libr. de Providentia) Beim christlichen Gottesdienst fielen aber alle die Täuschungen weg, die durch Hilfe der Maschinen erregt wurden, und dennoch wurden in den Zeiten, da eben die heidnischen Mysterien von den Christen nachgeahmt wurden, die heiligsten Handlungen der Religion in das Dunkel der Nacht eingehüllt. Man hat unstreitig auf solche Weise den Handlungen ehrfurchtsvolleres Ansehen geben wollen, da man die nächtliche Stille und Dunkelheit als etwas ansah, das schon an sich in dem menschlichen Herzen einen gewissen heiligen Schauer hervorbrächte. Bacchus sagt daher beim Euripides, dass die nächtliche Finsternis viel ehrwürdiges mit sich führe, und Barnes merkt bei dieser Stelle an, dass die Christen ihre vornehmsten Kirchen aus dieser Ursache durch gemalte Fensterscheiben zu verdunkeln gesucht, und dass besonders zu Ardenburg in Flandern eine Kirche ehemals gewesen, die wegen ihrer außerordentlichen Dunkelheit berühmt gewesen. (Barnes ad Euripid. Bacch. V. 168)

Dies sind meines Erachtens die beiden vornehmsten Veranlassungen zu der nächtlichen Feier der Mysterien. Ich will hiemit keineswegs sagen, dass es die einzigen gewesen. Es können noch andere, und aus den Mysterien selbst hergeleitete Gründe dazu vorhanden gewesen sein, und fehlte es den Kirchenvätern nicht an frommen Auslegungen von dem christlichen nächtlichen Gottesdienst, so kann man auch leicht denken, dass die Hierophanten der Griechen hierin nicht ungeschickter gewesen. Aber wieviel wissen wir hievon?

Ein andrer wichtiger Umstand ist das tiefe und unverletzliche Stillschweigen, das von allem, was in den Mysterien vorging, durchgängig beobachtet wurde. Clemens von Alexandrien sagt es nicht nur, dass sie nicht anders, als unter feierlicher Angelobung des Stillschweigens, mitgeteilt wurden, sondern man findet hievon auch bei den heidnischen Schriftstellern sehr auffallende Zeugnisse. Schon der bloße Name *****, Dinge, die man nicht aussagen darf, *****, Dinge, die verschwiegen werden müssen, zeigt dieses an. Als Demonax unter anderen deswegen vor dem Rat zu Athen angeklagt wurde, dass er sich nicht zu den Mysterien einweihen lassen, entschuldigte er sich damit, dass er die Bedingungen, unter welchen sie mitgeteilt würden, nicht erfüllen könnte, weil er nämlich, sie mögten nützlich oder schädlich sein, sie nicht verschweigen würde, entweder, um andere, wenn sie gut wären, auch dazu aufzumuntern, oder im Gegenteil sie davor zu warnen. (Lucian. Opp. Tom.) Aischylos ward des Verrats der Geheimnisse angeklagt, und rettete sich bloß durch den Beweis, dass er niemals eingeweiht gewesen. Diagoras hatte wirklich die Mysterien verraten, und die Athenienser versprachen demjenigen ein Talent, der ihnen denselben tod oder lebendig überliefern würde. Sokrates ließ sich bloß darum nicht zu den Mysterien einweihen, damit er nicht durch das Versprechen des Stillschweigens gehindert werden mögte, gewisse Wahrheiten zu lehren. Es scheint, dass man überhaupt von allem, was man in dem Tempel der Ceres erblickte, ein unverzügliches Stillschweigen beobachtet. Denn Pausanias sagt an einer Stelle: „Ich wollte wohl alles nach der Reihe her erzählen, was ich in dem Tempel der Ceres zu Athen gesehen, aber ein Traum, den ich gehabt, und den ich als Warnung der Götter ansehe, hindert mich, diese Geheimnisse zu entdecken. Ich gehe daher zu Sachen von einer andern Natur, wovon man einem jeden eine Auskunft geben kann.“ (Pausan. in Atticus. Cap. XIV.) Zwei junge Akarnanier gingen nur aus Unwissenheit mit dem Haufen der Eingeweihten in den Tempel der Ceres, und wurden als solche entdeckt, die nicht eingeweiht wurden, und sie wurden als solche hingerichtet, welche die Geheimnisse verraten hätten. (Livius Histor. Lib. XXXI.)

Dies fand aber nicht nur bei den griechischen Geheimnissen statt. Man kann es als eine allgemeine Regel ansehen, die durchgängig beobachtet wurde, wenn gleich nirgends gesagt wird, dass man sich durch einen förmlichen Eid zur Verschwiegenheit verbindlich machen müsste. Vom Orpheus sagte man, dass er deswegen vom Blitz getötet worden, weil er den Uneingeweihten die Geheimnisse entdeckt. (Pausan. in Boeotie. Cap. XXX) Eben so muss es auch bei den Ägyptern beschaffen gewesen sein: denn Herodot, wo er von den saitischen Geheimnissen redet, sagt ausdrücklich, dass er dasjenige, was er davon wisse, zu entdecken Bedenken trage. (Herodot. Lib. II.) Eben so verfährt in weit späteren Zeiten noch Apuleius, wo er von den isischen Geheimnissen redet, und offenbar gesteht, dass es ihm nicht erlaubt sei, von dem zu reden, was dabei vorgenommen worden. Und was er endlich, um seine Leser einigermaßen zu befriedigen, vorbringt, ist in so dunkle Rätsel eingehüllt, dass es eben so gut ist, als wenn er gar nichts gesagt hätte.

Meiners hält dies Gesetz der Verschwiegenheit für eine Sache, wovon sich nicht so leicht, und auf eine so genugtuende Art, als von der nächtlichen Feier der Mysterien, eine Erklärung geben lasse. Ich bin ganz entgegengesetzter Meinung, und diese Verschwiegenheit lässt sich gar bald erklären, so bald man nur mit dem Gegenstand der Mysterien, und ihrer ganzen Einrichtung einigermaßen bekannt ist.

Ein wichtiger Grund ist wohl allerdings dieser, dass man auf solche Weise die Hochachtung für die Mysterien vermehren, und das Volk zur Annahme derselben reizen wollte. Dies gibt wenigstens Synesios, der in diesem Stück kein verwerflicher Zeuge ist, als einen Grund an. Das erstere galt von beiden Mysterien, den größeren sowohl, als den kleineren: das letztere aber nur von den kleineren allein, da zu den großen nicht alle hinzugelassen wurden. Eben diesen Grund geben auch heidnische Schriftsteller selbst von diesem hartnäckigen Stillschweigen an. Die Kirchenväter sind freilich nicht so glimpflich in ihren Urteilen. Sie sehen die großen Greuel, die ihrer Meinung nach in den Mysterien vorgehen sollten, und das kindische, was man in den heiligen Landen aufbewahrte, als die wahre und eigentliche Ursache dieses hartnäckigen Stillschweigens an. Aber sie bedenken nicht, dass man eben dieses gegen sie hätte umkehren müssen, wie auch wirklich geschehen ist. Mit einem eben so heiligen Stillschweigen, als die Heiden ihre Mysterien bewahrten, verbargen auch die Christen seitdem die sogenannte Disciplina arcani bei ihnen eingeführet war, das Innere ihrer Religion allen Fremden. Kyrill von Jerusalem sagt noch zu seinen Zeiten: „Von den Mysterien der Religion reden wir in Gegenwart der Katechumenen nicht offenbar, sondern nur verdeckt, dass diejenigen, die sie bereits kennen, es nur verstehen können. (Cyrill. Hieros. Catheches. VI.) Man weiß, wie nachteilig dieses den Christen von den Heiden ausgelegt wurde, die ihre große Verschwiegenheit keiner andern Ursache zuschrieben, als welcher die Christen an ihrem Teil das Stillschweigen der Heiden von ihren Mysterien beimaßen. Der Grund war auch hier kein andrer, als die Neugierigen zu reizen, und die Religion desto verehrungswürdiger zu machen. Clemens von Alexandrien gibt fast denselben Grund des Stillschweigens an, wenn er sich nicht erinnert, wie nachteilig er sonst von den Mysterien geurteilt, oder wenn er glaubt, dass er die Mystagogie der Christen seiner Zeit auf solche Weise am besten rechtfertigen kann. „Die Stifter der Mysterien“, sagt er, „waren weise, und haben deswegen ihre Lehren in Fabeln eingehüllt, damit sie nicht allen bekannt würden. Haben sie aber schon von bloß menschlichen Erkenntnissen die Ungelehrten zurückgehalten, damit sie sich nicht denselben nähern mögten, ist es nicht um so viel mehr zuträglich, dass das wahrhaftig heilige und selige Anschauen verborgen werde? (Clem. Alex. Stromat. Lib. V. p.575)

Das heilige und ehrwürdige Ansehen, welches man durch dieses Mittel den Mysterien geben wollte, war wohl allerdings eine wichtige Ursache dieses hartnäckigen Stillschweigens: aber es war gewiß nicht die einzige. Wenn man auf die sogenannten großen Geheimnisse einen aufmerksamen Blick wirft, so findet man dazu noch eine weit wichtigere Veranlassung. Dies waren im eigentlichen Verstande Antithesen der herrschenden Volksreligion. Man deckte, wie ich im folgenden zeigen werden, nicht nur den allgemein herrschenden Irrtum auf, sondern man lehrte auch die Wahrheit. Die Volksreligion war aber so genau und fest schon mit dem ganzen Staat verbunden, dass man dieselbe nicht widerlegen, und die Wahrheit dagegen öffentlich aufstellen konnte, ohne zugleich das Gebäude des Staats selbst in seinen verschiedenen Teilen anzugreifen. Man hielt es also zur allgemeinen Ruhe für notwendig, den Irrtum stehen zu lassen, und die Wahrheit aufs sorgfältigste zu verbergen. Diesen Grund hat Varro selbst angeführt: „Es gibt Wahrheiten“, sagt er, „welche für den Staat nicht zuträglich sind, wenn sie allgemein bekannt werden: und es gibt viele Dinge, die falsch sind, und doch nützlich, wenn sie das Volk glaubt. Daher haben die Griechen ihre Geheimnisse der Verschwiegenheit und den heiligen Mauern anvertraut. (Varro ap. Augustinum de civitate Dei. Lib. IV. cap. 31; beim Warburton göttl. Send. Mos. I. 208)

Einen andern Grund gibt gleichfalls die innere Beschaffenheit der Mysterien an die Hand. Waren ihre Stifter auch nicht, wie Clemens von Alexandrien behaupten will, Philosophen; so ist doch so viel gewiß, dass die Mysterien nicht blos Antithesen der Volksreligion enthalten, sondern auch nebenher viel wissenschaftliches aus andern Fächern der Gelehrsamkeit gehabt haben. In der alten Welt dachte man anders, als in der gegenwärtigen. Wissenschaften wurden nicht allgemein bekannt gemacht. Man glaubte sie zu erniedrigen, und gewissermaßen zu entweihen, wenn man sie dem Volk mitteilte. Die Griechen sind, wie ich glaube, die ersten gewesen, die die Wissenschaften gemein gemacht haben. ich will es nicht entscheiden, wie ausgebreitet, oder wie eingeschränkt die Gelehrsamkeit der Ägypter gewesen ist; aber soviel ist gewiß, dass sie ihre Kenntnisse verheimlicht haben. Eben so sind wahrscheinlich auch diejenigen zu Werke gegangen, von welchen sie dieselbigen empfangen hatten. Dieser Achtung gegen die Wissenschaften, oder wenn man lieber will, diesem Neide ist wahrscheinlicher Weise großenteils das tiefe Stillschweigen beizumessen, welches man in Ansehung alles dessen beobachtete, was in den Mysterien vorgetragen wurde. Man mögte denken, dass dieses doch die Griechen nicht mehr hätte bewegen können, die aus ihren Wissenschaften nichts weniger als ein Geheimnis machten. Aber wie sie Mysterien empfangen hatten, so teilten sie auch wieder dieselben mit. Man erkennt dieses sehr deutlich daran, dass es niemanden, der nicht eingeweiht war, zum Verbrechen gemacht wurde, wenn er auch wirklich solche Dinge vortrug, die in den Mysterien gelehrt wurden, dass es ihn aber des Todes schuldig machte, wenn er von denselben Dingen redete, im Fall er einmal zu den Mysterien war eingeweihet worden.

Ich kann nicht umhin, noch Meiners Gedanken von den Ursachen der Verschwiegenheit anzuführen. Er glaubt, dass die Stifter der Mysterien dadurch alle freien Reden, alle öffentlichen Untersuchungen und Raisonnements über diesen wichtigen Artikel der Religion haben zurück halten wollen. Die Eingeweihten hätten nach der Einweihung denken können, was sie gewollt, sie hätten aber nichts sagen dürfen. Die mutwilligsten Witzlinge wären auf solche Weise gehindert worden, das innere Triebwerk und Spiel der Mysterien zu entdecken, und die Einfältigen in ihrem Glauben zu stören. — Nach dieser Vorstellung war das Gelübde der Verschwiegenheit nur bloß ein Riegel, den man der Entdeckung der Taschenspielerei vorgeschoben hätte. Fast so, wie jener Holländer, der sich von allen, die sein großes „Wonder-Deer“ sehen wollten, das da den Kopf hatte, wo andere den Schwanz haben, ein Stillschweigen vorher angeloben ließ. Hätten die Mysterien in nichts anders bestanden, als in bloßen dramatischen Vorstellungen, so mögte dieser Grund hingehen, ob es gleich unbegreiflich ist, dass sie sich so lange hätten erhalten sollen, und dass sich in so vielen Jahrhunderten, die sie hindurch gedauert, niemand gefunden, der so viel Mitleiden mit seinen Mitbürgern gehabt hätte, ihnen, des so ungerecht angelobten Stillschweigens unerachtet, die Betrügereien zu entdecken. Aber noch unbegreiflicher ist es, wie Cicero, Plutarch und so viele andere große Männer des Altertums sich diesem Gesetz hätten unterwerfen, und es auch da immer sich zu Gemüte führen können, wo sie nicht von dergleichen Triebwerken und Spiel, sondern von Wahrheiten und Grundsätzen reden, die sie in den Mysterien wollen erlernt haben. Bei den großen Mysterien fällt wenigstens dieser Grund gänzlich weg, und es müssen andere Gründe vorhanden sein, die ein solches Stillschweigen veranlasst haben. Dies scheint Meiners im Verfolgen seiner Abhandlung selbst eingesehen zu haben, denn er führt nachmals auch die bereits vom Warburton angeführte Stelle des Varro aus dem Augustinus an. (Meiners a.a.O. p.297-298)

Jene Gründe werden aber außer dem, was die Alten wirklich davon sagen, noch durch den Vortrag der Lehren selbst bestätigt. Dieser war nicht nur bildlich, sondern was man darüber schriftliches hatte, war in Hieroglyphen, oder einer verborgenen Schreibart abgefasst. Die heiligen Schriften wurden bei den Griechen eben so, als bei den Ägyptern, dem Anblick der Fremden aufs gewissenhafteste entzogen, und in den arkadischen Geheimnissen in aneinander passenden Steinen aufbewahrt. Wozu alles dieses? Jene vorhin angegebenen Gründe sind gewiß die vornehmsten, wordurch man bewogen wurde, alles, was in den Mysterien gesagt wurde, und geschah, mit der tiefsten Verschwiegenheit zu bedecken.

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