Über die alten und neuen Mysterien – 08 – Weitere Untersuchungen über die großen Mysterien


cropped-pompeii-villa-of-mystery-3Mit der Lehre von dem Dasein eines höchsten Gottes, des Schöpfers und Regierers der ganzen Welt, stand diejenige von den Dämonen, oder mittleren Naturen, in der genauesten Verbindung. Fast mögte ich sagen, dass die Lehre vom Dasein solcher Wesen, die zwischen der Gottheit und den Menschen gleichsam in der Mitte stehen, so natürlich sei, dass man jene Lehre nicht hören können, ohne zugleich auf diese zu verfallen. Wohin man sich auch in der Religionsgeschichte der alten Völker wendet, so findet man allenthalben den Grundsatz angenommen, dass es gewisse unsichtbare Wesen gäbe, die einem höheren unterworfen sind, und besonders auf diese Welt ihre Wirkung äußern.

Dass man in den Mysterien die Natur der Dämonen gelehrt habe, sagen gleichfalls die Alten. Aber wenn sie es nicht sagten, so würde man es doch gar bald mit der größten Wahrscheinlichkeit mutmaßen können. Derselbe Gedanke, den nachmals die alexandrinischen Philosophen angenommen hatten, dass die höchste Gottheit ein verborgenes Wesen sei, das sich gleichsam in seine Einheit immer zurückgezogen halte, war gewiß ein Grundsatz der Mysterien. Schon in den ältesten Zeiten fand diese Meinung in Ägypten statt. Die Regierung dieser Welt war gewissen unsichtbaren Mächten übergeben worden. Es war also natürlich, dass man von diesen dem höchsten Gott untergeordneten Wesen auch den Eingeweihten Begriffe zu geben suchte, und daher kam denn die ganze Lehre der Geheimnisse von der Natur der Dämonen, ihren Klassen, Beschäftigungen, und verschiedenen Verhältnissen gegen Gott, und gegen die Menschen, zwischen welchen sie gleichsam das Mittel ausmachten.

Nicht alles, was man in der Fabellehre von den Göttern erzählte, ließ sich aus der Heldengeschichte erklären: Aber auch gewiß nicht alles aus der Natur. Einige Gottheiten der alten Völker waren gewiß keines von beiden, weder verstorbene Menschen, noch personifzierte Gegenstände der Natur, sondern in der Tat Dämonen. Davon erklärten selbst Philosophen unter den Heiden ihre Fabeltheologie, um derselben ein vernünftiges Ansehen zu geben, davon erklären dieselbe auch die Kirchenväter der ersten Jahrhunderte in ihren Streitigkeiten mit den Heiden, denen es unzähligemal vorgeworfen wird, dass ihre Götter nichts anderes als Dämonen wären. Deckte man nun den Irrtum der Volksreligion auf, zeigte man aus der alten Geschichte, wer diese oder jene Götter eigentlich gewesen waren, so war es auch natürlich, dass man von denjenigen Gottheiten handelte, die eigentlich Dämonen waren, und also, was dieses für Wesen wären, und in welchem Verhältnis sie stünden, auch den Eingeweihten deutlich zu machen suchte.

Und hier wurden eben diejenigen, die von der einen Seite die Volksreligion zu bestreiten schienen, im Grunde die allerstärksten Verteidiger derselben. Es ist merkwürdig, dass nur da erst das Heidentum gänzlich gestürzt, als die Mysterien gänzlich abgeschafft waren. So lange diese noch fortdauerten, so lange hatte das Heidentum noch immer eine innere und sehr mächtige Unterstützung, und man gab sich daher unter den Christen alle nur ersinnliche Mühe, nicht nur durch Widerlegung der Mysterien das Ansehen derselben wankend zu machen und zu stürzen, sondern auch seit Konstantins des Großen Zeiten, sie gänzlich mit Gewalt zu unterdrücken. Im zweiten Jahrhundert kann man fast sagen, dass die Diener der Mysterien mit den platonischen Philosophen eine Allianz wider das Christentum gemacht haben.

Ich habe gesagt, dass bei dieser Lehre die Volksreligion an eben denjenigen ihre Verteidiger gefunden, welche, bei Entdeckung der Lehre vom Dasein eines einzigen Gottes, dieselbe zu bestreiten schienen. Denn hier wurden einige Götter der Volksreligion als Dämonen geschildert, als Mittler zwischen dem höchsten Gott und den Menschen, als Unterregenten, welchen der in seine Einheit sich verbergende Gott die Regierung über diese Welt übergeben hätte, als Wesen, die daher in diese ganze Natur wirkten, und deren schädliche Einflüsse man durch allerlei Versöhnungsmittel abwenden, deren glückliche Einflüsse aber durch Opfer, Gebete, und allerlei Zeremonien zuwege bringen müsste. Überhaupt glaubte man im Heidentum, dass die Statuen der Götter, wenn sie gehörig eingeweiht wurden, von einem gewissen Genie bewohnt würden. (Selden. Syntagm. de Diis Syris. I. Cap. 2. und Warburton a.a.O. p. 419) Es ward also auf solche Weise nicht nur der Dienst der Volksgottheiten in gewisser Art wider gerechtfertigt, sondern auch alle Gebräuche, die mit demselben verbunden waren. Wäre auch das nicht gewesen, so wäre es unbegreiflich, wie eben diejenigen, welche den Irrtum der Volksreligion den Epopten aufdeckten, dennoch bei den Einweihungen selbst alle die Gebräuche hätten beibehalten und für heilig erklären können, die aus dieser falschen Religion hergeleitet waren. Wohin diese Lehre am Ende geleitet, sieht ein jeder leichtlich ein. Den größten Hang zum Wunderbaren und zur Bewirkung ausserordentlicher Dinge findet man daher bei eben den Philosophen, die in Ansehung ihrer Lehrer mit den Mysterien die nächste Verwandtschaft hatten. Dahin zielt auch, was Lucian von den heiligen Wissenschaften sagt, die in den unterirdischen Gängen gelehrt wurden. (Lucian. Philops. opp. Tom. III. p. 57.60. edit Reizii) Ich will hierüber noch folgende Stelle anführen, die beim Cotelerius in Monumentis Ecclesiae graecae steht. (Tom. I. p. 582) „Ein heidnischer Priester kam einmal nach Scetis und übernachtete in meiner Zelle. Da er nun die Lebensart der Einsiedler sah, sprach er zu mir: Da ihr also lebt, seht ihr nichts von eurem Gott? Ich antwortete: Nichts! Er erwiderte: Oh! Wenn wir unserem Gott opfern, so verbirgt er nichts vor uns, sondern offenbart uns seine Geheimnisse.“ Wer sieht hier nicht, dass von der Theorie die Rede ist, die eigentlich der Zweck war, wonach alle rangen, welche von der Lehre der Dämonen unterrichtet wurden, und in diesem Fach einen vorzüglichen Grad der Vollkommenheit zu erreichen suchten. (S. Grgorii Nazianz. Orat. XLII. opp. Tom. II. p. 1132)

Mit dieser Lehre war auch diejenige aufs genaueste verbunden, die nachmals Platon vorgetragen hat, dass die menschlichen Seelen eigentlich Dämonen wären, und dass der menschliche Körper als das Grab der Seele anzusehen sei, von welchem sie durch allerlei Kasteiungen losgewickelt, und zur Glückseligkeit hinaufgeführt werden müsse. Eine Lehre, die die eigentliche Grundlage der ganzen Möncherei ist, die nachmals unter den Christen eingeführt wurde. Da Platon seine vornehmsten Lehren aus den Quellen der ägyptischen Priester, und der Pythagoräer geschöpft hat, so könnte man schon von daher schließen, dass dies eine Lehre der großen Geheimnisse gewesen ist. Aber Platon gibt dieses selbst als eine Meinung an, die sich eigentlich von den Orphikern herschriebe, und spielte mit den beiden Wörtern ***** und *****, von welchen das erstere Leib, und das zweite Grab bedeutet. (Platonis Cratylus. p.216.217) Cicero rechnet endlich diese Lehre ausdrücklich zu denjenigen, welche von den ältesten Propheten, Vorstehern der Geheimnisse, und Auslegern göttlicher Offenbarungen (lauter Benennungen solcher Personen, die mit den Mysterien zu schaffen hatten) vorgetragen wurden, und vergleicht die Vereinigung der menschlichen Seelen mit den Körpern, mit der Strafe, welche die etruskischen Seeräuber an ihren Gefangenen vollzogen, die sie lebendig mit toten Leichnamen zusammenbanden, um beide gemeinschaftlich verwesen zu lassen. (Meiners a.a.O. p.306) Ob hiermit die Lehre von der Metempsychose (Reinkarnation), oder Seelenwanderung, in Verbindung gestanden, ist ungewiß. Dass Pythagoras sie gelehrt hat, ist bekannt. Am Platon hatte sie gleichfalls ihren Verteidiger, so wie diese Meinung schon lange vorher bekannt gewesen, und vorgetragen worden war, wie bei den Ägyptern selbst. Aber es ist auch aus dem Timaios von Lokroi, einem der alten Pythagoräer, gewiß, dass man damit ganz andre Begriffe verbunden hat, als gemeiniglich dem Pythagoras zugeschrieben wurden. Denn nach diesem Schriftsteller waren es nur Bestimmungen der künftigen Strafen und des künftigen Läuterungszustands bildlich vorgetragen. Eine solche Lehre konnte daher wohl nicht füglich mehr zu den großen Mysterien gehören, in welchen man nicht mehr durch Bilder, sondern frei heraus redete. Wie aber das Detail dieser ganzen inneren Lehre der Geheimnisse von den Dämonen beschaffen gewesen, das ist in den Ruinen derselben mit begraben worden, und gehört zu den Dingen, die wohl schwerlich jemals können hervorgezogen, und der Welt vorgelegt werden.

Betrachtet man nach dem bisher gesagten die großen Mysterien, so hatte noch alles, was in denselben vorgetragen wurde, auf die Religion seine unmittelbare Beziehung. Aber erinnert man sich, dass in den damaligen Zeiten alles Wissen, alle gelehrte Kenntnisse in den Händen der Priesterschaft waren, und dass die Priesterschaft eben dadurch ihr Ansehen erhielt, wenn sie sich in dem ausschließenden Besitz aller wissenschaftlichen Kenntnisse behauptete; so sieht man leicht, dass es hiebei nicht allein sein Bewenden gehabt, sondern dass auch andre Einsichten den Gegenstand der größeren Geheimnisse ausgemacht haben. Clemens von Alexandrien sagt deswegen, dass die großen Mysterien alle Dinge überhaupt angegangen, und dass man in denselben die Natur und ihre Werke erkannt habe. (Stromat. Lib. V.) Auch diese Kenntnisse hingen von einer Seite mit den religiösen Ausschlüssen zusammen, und so wie die Fabellehre bei einer richtigen und genauen Erklärung auf ältere Geschichte und auf die Lehre von den Dämonen leitete, so führte sie auch natürlicher Weise auf Naturkenntnis, indem einige Gottheiten der Volksreligion nichts anders als personifizierte Gegenstände der Natur waren. Dionysius von Halikarnassos sagt daher, dass die Fabeln der Griechen unter einer Allegorie die Werke der Natur anzeigten. (Dion. Halic. Antiq. Rom. Lib. I. p.92) Eben das sagt auch Plutarch, und beruft sich zu dem Ende auf die Fabeln der Ägypter, und auf die Gedichte des Orpheus. So waren überhaupt die Kosmogenien der Alten beschaffen. Heraklit legte daher sein Buch von der Natur in dem Tempel der Diana zu Ephesus nieder. Tatian nennt sie Gedichte, und aus dem, was Clemens von Alexandrien von ihnen sagt, sieht man, dass sie mysteriösen Inhalts gewesen sind. Hätten sie nicht, wie alle alte Kosmogenien, die Götter der Volksreligion mit betroffen, so wäre gar kein Grund zu ihrer Verheimlichung vorhanden gewesen, da man sonst unter den Griechen die Wissenschaften öffentlich lehrte.

Aber nicht nur die Werke der Natur, insoferne sie auf die Religion ihre Beziehung hatten, und mit derselben in Verbindung stunden, waren ein Gegenstand der großen Mysterien, sondern überhaupt die Naturgeschichte, Astronomie, und was sonst dahin gehören konnte. Von den Griechen und ihren Mysterien ist dieses wohl nicht so sehr zu glauben: Denn bei diesen waren die Wissenschaften öffentlich und allgemein. Von den Ägyptern aber ist es gewiß. Denn, wenn sie gleich den Platon, den Herodot, und andre reisende Griechen von einigen Dingen unterrichteten, ohne eben Einweihung bei ihnen zum voraus zu setzen; so machten sie doch aus ihren meisten Wissenschaften Geheimnisse. Zu den Zeiten des Clemens von Alexandrien waren dergleichen Bücher, die man dem Thot, oder Hermes zuschrieb, 42 vorhanden, und aus der Nachricht, die er von ihrem Inhalt gibt, kann man sehen, womit sie sich eigentlich beschäftigt haben. (Clement. Alex. Stromat. L.V. p.534-566) Man mag aber von der Echtheit dieser Bücher denken, wie und was man will, so kann man es doch aus andern Zeugnissen des Strabo, Platon, Diogenes Laertius, Isokrates, des Plutarchs und andrer Schriftsteller nicht leugnen, dass Astronomie, Astrologie, Geometrie, Naturgeschichte und Medizin zu den Kenntnissen gehört, die die ägyptischen Priester in ihren Geheimnissen verschlossen, und denen allein vollkommen mitgeteilt haben, die zu denselben einen Zugang erhalten hatten. Und fand es gleich bei den Griechen nicht statt, dass wissenschaftliche Kenntnisse nur an einen heiligen Stamm gebunden, und das Teil der Priesterschaft waren, wie in Ägypten; so kann man doch aus der Translation der ägyptischen Mysterien nach Griechenland mit vieler Wahrscheinlichkeit schließen, dass auch bei den Griechen die großen Mysterien sich nicht bloß auf Dinge, die die Religion allein angingen, erstreckt, sondern mehreres unter sich begriffen haben. Aber hier wissen wir fast über Ägypten mehr, als über Griechenland, und man kann hier immer der Spur nachgehen, wodurch von diesen Mysterien dieses, und von andern nur jenes ausgespäht wurde. Den griechischen Gelehrten, die nach Ägypten reisten, war es nicht sowohl um religiöse Kenntnisse, als vielmehr philosophische Wissenschaften zu tun. Durch dieses Mittel ist dieser Teil ihrer Mysterien der Nachwelt bekannter geworden, als was sie von den Göttern lehrten. Die Kirchenväter, die das Heidentum bestritten, fragten wenig nach den philosophischen Kenntnissen der Mysterien, sondern griffen allein die Theologie an. Daher, und durch die Verteidigungen der Heiden, sind manche Dinge von den religiösen Wahrheiten der griechischen Mysterien bekannt geworden, und alles andre hingegen ist verborgen geblieben.

Meiners wirft noch die Frage auf, ob man in den großen Mysterien auch Grundsätze des Wohlverhaltens und Vorschriften der Tugend vorgetragen habe? Er erklärt dieses für ungewiß. (Meiners a.a.O. p.307) Von den Ägyptern ist solches ausgemacht. Man darf sich, um dieses zu beweisen, eben nicht auf die hermetischen Schriften berufen, deren Clemens von Alexandrien gedenkt, und von welchen einige sittliche Vorschriften betroffen haben; sondern auch Diogenes Laertius, und Diodor von Sizilien gedenken derselben. (Diog. Laert. Proem. XI. Diod. Sic. L.I. p.63.64) Von daher kann man also auf die griechischen Mysterien schließen. Sollte aber alles, was man in den Mysterien vortrug, und alles, was sie enthielten, nur bloß Nahrung für den Verstand gewesen sein, ohne die mindeste Anwendung auf das Herz und auf das sittliche Verhalten der Menschen? Eben die Wahrheiten, die man vortrug, von Gott als Urheber und Regierer der Welt, von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele, von ihrem zukünftigen Zustand, führten auch ganz natürlich den Eingweihten auf die Pflichten, die er gegen Gott zu beobachten hatte. Eben die Lehre von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele, von künftigen Strafen und Belohnungen, führten auch natürlicher Weise auf Vorschriften, die man zu befolgen hatte, um jene zu vermeiden, und dieser teilhaftig zu werden. Die Meinung, dass die menschlichen Seelen, als ehemalige Dämonen, in die menschlichen Körper, als ihr Kerker, gesteckt wären, und dass dieser Leib das Grab er Seele sei, brachte im Platonismus, und bei den Mönchen und Einsiedlern der ersten Zeiten eine übertriebene Moral hervor, die der menschlichen Natur und Sozietät entgegen war; und eben diese Lehre, in den Mysterien vorgetragen, sollte nur bloß Erkenntnis gewesen sein, und gar keine sittlichen Vorschriften, sie mögen allenfalls auch noch so schief gewesen sein, im Gefolge gehabt haben? Das ist nicht zu gedenken. Es mussten daher auch notwendig den Epopten gewisse Regeln des Verhaltens gegeben sein. Dies wird noch durch die Prüfungen und Zubereitungen, die der Weihung vorhergingen, bekräftigt. Aber wie wenig wissen wir hierüber! Indessen ist doch dieses wenige, diese gleichsam entfallenen Worte schon hinreichend, um einen ziemlich richtigen Begriff von den Mysterien der Alten zu erlangen.

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