Hochstapler der Mystik – Von Gustav Meyrink (1927)


Was mich bewegt, über Hochstapelei auf dem Gebiete der Mystik zu schreiben, ist: ich möchte verhüten helfen, dass nicht Schwindler und Narren eine große Wahrheit verseuchen, die höchster Beachtung wert ist, obgleich sie nie für die Allgemeinheit bestimmt sein kann, denn sie fällt nicht in den Bereich »Religiosität», wie der Laie, missgeleitet durch den Klang des Wortes »Mystik«, glauben könnte, sondern viel eher in den der Psychologie.

Abb.: Bubikopf-Frisur, um 1910

Abb.: Bubikopf-Frisur, um 1910

Es wäre ein großer Irrtum, anzunehmen, die heutige Bewegung des Okkultismus sei lediglich eine Modeströmung, etwa wie der »Bubikopf«, nein: ein sehr breiter Strom ist die seltsame Sehnsucht geworden, die heute viele Millionen von Menschen ergriffen hat; eine Sehnsucht freilich, die mit dem Bibelwort »Mein Reich ist nicht von dieser Welt« [Johannesevangelium 18,36] nichts zu tun hat, richtet sie sich doch darauf, mit den Toten zu verkehren, magische Kräfte zu erwerben, hellsehend zu werden, um zu erfahren, was bisher hinter Schleiern von Geheimnissen lag, die Schrecken des Leidens auf Erden und den Tod zu überwinden, kurz: das Reich der Fülle sich zu eigen zu machen.

Uralt wie das Menschengeschlecht ist diese Sehnsucht. Im Mittelalter führte sie in den Verdacht der Hexerei, heute lockt sie, wo sie sich zeigt, die Hochstapler an, die ein Geschäft daraus machen, die von ihr Ergriffenen auszubeuten. Wie Unkraut schießen solche Pseudopropheten aus der Erde aller Länder, und nur zu leicht macht man es ihnen, Menschenfischer — auf ihre Art — zu werden! Da gibt sich einer als persischer dreihundertjähriger Adept aus (dass Weißenfels, wo er geboren ist, nicht in Persien liegt, sondern in Sachsen, spielt weiter keine Rolle), hält Vorträge, angetan mit seidenem Talar und goldenen Schuhen, lügt das Blaue vom Himmel herunter, sucht dann mit ergattertem Reichtum das weite Amerika und hinterlässt als sein Neues Testament ein »vechedarisches« Kochbuch. Einerlei: man glaubt an den Mann. — Ein anderer lockt einem Leipziger Bankier eine halbe Million aus dem Scheckbuch, gründet mit einem Teil der Summe das »Neue Jerusalem« in Weesen am Walensee, verspielt den Rest in Monte Carlo und treibt sein Unwesen dann in Wien weiter, wo er viele Familien ins Unglück stürzt. Einerlei: man glaubt an den Mann!

Zöge die Tätigkeit der Hochstapler auf dem Gebiete der Mystik und des Okkultismus nicht so weite Kreise, man könnte meinen, es handle sich nur um kurzbeinigen Schwindel, so aber sind sie wie Sendboten einer stetig heranziehenden Zukunft geistiger Umgestaltung, die ungeahnte Wirrnis mit sich bringen mag. Pioniere sind sie, wenn auch im übelsten Sinn: so wie die Squatter und Trapper des frühen Amerikas Landräuber und Schnapshändler waren und erst lange nach ihrem Verschwinden vom Schauplatz mit dem Ehrentitel »Pioniere« belegt wurden.

Abb.: HP Blavatsky

Abb.: HP Blavatsky

»Führer« nennen sich heute mit Vorliebe solche Gesellen. Zum Schlagwort für jeden Okkultisten wurde diese Bezeichnung, als die berühmte Helene Blavatsky [1], die Gründerin der Theosophischen Gesellschaft, in den letzten Dezennien des vorigen Jahrhunderts erklärte, dass es in Indien sogenannte Gurus gäbe. — Führer, die imstande sind, ihren Schülern magische Fähigkeiten und mystische Erkenntnisse zu übertragen oder den Weg dahin zu weisen. — Da horchten die Herren Hochstapler auf: ein neuer fauler Erwerbszweig trat in Griffnähe für ihre gierigen Hände. Nach indischer Überlieferung ist der »Schüler« verpflichtet, für den Lebensunterhalt seines »Gurus« zu sorgen; für diesen Teil des Programms haben unsere Hochstapler volles Verständnis. Besitzen sie außerdem ein Organisationstalent, so gründen sie eine Beschränkte Gesellschaft mit unbeschränkter Zahlungspflicht und kassieren Jahresbeiträge ein. — Helene Blavatsky selbst hat sich niemals als Guru gebärdet — im Gegenteil —, aber gerade über sie wurde der Schmutzkübel ausgegossen, den ihre Nachfolger reichlich verdient hätten. Heute, 50 Jahre nach Gründung der Theosophischen Gesellschaft, blüht das Gurugeschäft in vorher nicht geahnter Weise. Was soll man sich dabei denken, wenn der jetzige Präsident der Gesellschaft, Mr. Leadbeater [2] — derselbe, der an der Kriegshetze gegen Deutschland feurig teilnahm im »Interesse der allgemeinen Menschheitsverbrüderung«! — seit neuem in Australien eine Riesenarena für 10.000 Zuhörer gegründet hat (Entree für seine Vorträge: 1 Schilling pro Kopf-losig-keit)?!

Abb.: C. W. Leadbeater

Abb.: C. W. Leadbeater

Die Hauptfigur seines Marionettentheaters ist gegenwärtig ein junger Inder namens Krishnamurti [3], der der Messias für unser Jahrhundert sein soll. Vorläufig scheint er sich noch im Lurchstadium zu befinden: wenigstens ist sein Buch »Zu Füßen des Meisters« so ziemlich das dadaistischste, das die Theosophische Gesellschaft bisher dem Druck überliefert hat.

Abb.: Krishnamurti, 1910

Abb.: Krishnamurti, 1910

Gibt es nun überhaupt echte Gurus? Mag sein. Ich bin noch keinem begegnet. Nur solchen, die sich dafür ausgeben. Dasselbe negative Resultat hat auch ein indischer Freund von mir erzielt, als er ganz Indien durchreiste, um einen echten Guru zu finden, vom südlichsten Punkt bis weit hinauf nach Norden, nach Tibet, Kashmir und Westchina; vom äußersten Westen bis Siam, Birma und Korea. — »Gurus habe ich wohl zu Hunderten gefunden«, schrieb er mir einmal, »aber nicht einen einzigen, der diesen heiligen Namen verdient hätte.« Welch große, fast unbegreifliche Anziehungskraft gewisse Hochstapler der Mystik auf sehnsuchtserfüllte Gemüter auszuüben vermögen, davon hier ein kleines Beispiel:

Abb.: Gurdjeff [= Diordjeff], 1924

Abb.: Gurdjeff [= Diordjeff], 1924

Vor einiger Zeit trat ein Mensch in Paris auf, der sich Diordjeff [4] oder so ähnlich nannte. Orientale — selbstverständlich: hoher Eingeweihter: noch selbstverständlicher! Alles wusste er. Insbesondere, was auf der Kehrseite des Mondes, auf der Venus usw. vorgeht. Er las auch Zukunft und ferne Vergangenheit, soweit es nicht nachzuprüfen war, aus der Akashachronik (eine Art Nachschlagebuch im Weltäther). Nur was im Nebenzimmer vor sich ging, das sagte er nicht, denn er war Mitglied der großen weißen Loge der Adepten und als solches eidlich verpflichtet, keine Wunder zu tun, damit der Kosmos nicht in Unordnung gebracht würde. Gestattet war ihm lediglich, von seinen Bewunderern deren gesamtes Hab und Gut zu verlangen, denn bekanntlich geht eher ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Himmelreich kommt [Matthäusevangelium 19, 24 und Parallelen]. — Das Unbegreifliche geschah: englische Gelehrte (!), Advokaten (!) Ärzte usw. machten sich arm wie Kirchenmäuse und ihn — reich, denn er war, wie er sagte, gesalbt (die anderen waren bloß angeschmiert) und daher gefeit gegen die Gefahren des Reichtums; und überdies lebt ja auch der Mensch nicht von »Brot« allein! Unter seinen Schülern befand sich ein junges englisches Ehepaar aus Adelskreisen. Sie hatten dem »Führer« ihren ganzen Besitz in Höhe von 60.000 Pfund ausgehändigt. »Im Schweiße eures Angesichts sollt ihr euer Brot essen!« [Genesis 3, 19] hatte Diordjeff feierlich zu ihnen gesagt und sie zu schwerster Arbeit angehalten; sie mussten zu zweit von früh bis spät Ziegel mit Schubkarren weit herfahren durch die Straßen, denn der Prophet war weltkundig und teuern Tagelöhnern abhold für den Bau seines geplanten salomonischen Palastes. Nach Ablauf eines Jahres trat der junge Ehemann schüchtern vor den Meister und meldete schlicht, dass er immer noch keine Fortschritte im Geistigen verzeichne. — »Hast du mir alles gegeben, was du besaßest?« fragte der Guru mit strengem Blick. Zögernd musste der Engländer zugestehen, dass er sich noch einen kleinen Rest für den Fall, dass seine Wiedergeburt im Geiste sich verzögern sollte, zurückbehalten hätte. »Eher geht ein Kamel und so weiter«, dröhnte der Heilige und entließ den Unwürdigen aus dem Glanze seines Antlitzes. Ruchloserweise ging nun das Kamel nicht, wie der Meister gehofft haben mochte, in die Wüste, um sich aufzuhängen, sondern im Gegenteil schnurstracks zu dem die Ohren spitzenden Staatsanwalt.

Überdenkt man den Fall, so fühlt man sich geneigt, in ein wildes Gelächter auszubrechen; dennoch: die Sache ist tief ergreifend. Wie heiß muss die Sehnsucht in den Herzen jener Betrogenen geglüht haben, dass sie anders handeln konnten, als der reiche Jüngling in der Bibel, und nicht nur all ihr Hab und Gut opferten, sondern auch ihren klaren Menschenverstand preisgaben des Irrlichts »Hoffnung« wegen.

Bei uns in Deutschland sind die Hochstapler auf dem Gebiete der Mystik nicht so gut gestellt wie Herr Diordjeff; die Leute, die 60 000 Pfund besitzen, sind rar geworden. So mancher Prophet hat in der Deflation sein sauer Erschwindeltes verloren und ist jetzt auf Tagesarbeit angewiesen. Aber immerhin, auch heute noch ernährt das geheime Wissen um die Schwächen der Menschenseele ihren Schuft. Freilich, hie und da einen Gixer muss ein Adept in Kauf nehmen. Hier ein bescheidenes Beispiel:

Abb.: Hector Dufranne als Jochanaan in Richrd Strauss’ Oper Salome, 1910

Abb.: Hector Dufranne als Jochanaan in Richard Strauss’ Oper Salome, 1910

Eines Tages erhielt ich den schon lange vorher angedrohten Besuch eines jungen Mannes, blond, treuherzigen Auges, an einen Spitzbart angewachsen und à la Großstadt-Jochanaan frisiert. Er tat mir kund, er hätte den gewissen Ort entdeckt, wo weiland Paracelsus eine Flasche mit Lebenselixier vergrub. Es sei nicht einmal weit von hier: gleich links ums Eck an der Grenze zwischen Bayern und Württemberg. Als ich keinerlei Interesse für den magischen Schnaps an den Tag legte und vielmehr auf seine Schädlichkeit hinwies, denn welcher vernünftige Mensch möchte heutzutage Wert darauf legen, sein Leben auch noch zu verlängern, wechselte der Jüngling rasch das Thema und berichtete von wunderbaren Erlebnissen, die er in China gehabt habe, nachdem er sich vorher geschickt vergewissert hatte, dass ich selbst niemals in China gewesen war und daher nichts nachprüfen konnte. Für sein Alter war der Herr erstaunlich belesen in allem, was Okkultismus betrifft. Es dauerte nicht lange, da weihte mich mein Gast in das Geheimnis seines Lebens ein und verriet mir, dass er eine Wiederverkörperung Johannis des Evangelisten sei. Da die Erzählung immer gnostischer und gnostischer wurde und schließlich das Mysterium von der Veredelung des Geschlechtstriebes streifte, wurde mir die Sache langsam fad, und meine Augen wurden gläsern. Zudem war es furchtbar heiß draußen. Johannes, der Evangelist, bemerkte das wahrscheinlich, denn plötzlich hielt er in seiner Predigt inne und fixierte mich lauernd. Ich tat, als schliefe ich halb, und ließ meine Zigarette fallen. Worauf sich der Prophet lautlos wie ein beutesichtendes Frettchen in seinem Sessel auf die Hinterbeine erhob, offenbar in dem Wahn befangen, er hätte mich hypnotisiert. Sodann schrie er in reinem Sächsisch, also in voller Inbrunst seines Herzens auf mich ein: »Ich befähle dir im Nahm Goddes, dass de mir alles, was de hast un besitzd, in mei freies unbeschrängdes Eichenduhm iebergibsd!« — Eingedenk dessen, dass man einem Heiligen, selbst wenn er aus Dresden stammt, nicht anders als mit Demut zu begegnen habe, sagte ich schlicht und hörbar gähnend: »Was aber, wenn ich nur Schulden hätte? Würden Sie sie auch im Nahm Goddes iebernähm?« — Wortlos huschte Johannes, der Evangelist, zur Tür und entschwand wie ein Rauch. — Später schrieb er mir aus seiner Heimat eine Ansichtskarte: er scheint also meine Offenherzigkeit nicht übelgenommen zu haben.

Große Ereignisse werfen nicht nur ihre Schatten voraus, sie treten auch gern serienweise in die Erscheinung: noch waren keine 24 Stunden vergangen, da stand ich, bemützt mit einer gelbseidenen Ruderkappe und in einem blauen Mantel, darunter ein dünnes Schwimmgewand, denn es war immer noch knirschend heiß, im Garten, emsig bemüht, mit einem Spaten Unkrautwurzeln nachzuspüren, die offenbar bis zum Mittelpunkt der Erde hinabliefen. Da urplötzlich ragte vor meinem Blick die Gestalt eines Mannes aus dem Boden auf: einen lodernden schwarzen Vollbart als Krawatte auf der nackten Brust, Gummischuhe an den Füßen und über dem behaarten Leib einen vermotteten Bärenpelz. Das Haupt war unbedeckt. Neben dieser Erscheinung, halb so hoch, stand ein kleines blondes nordisches Opferlämmchen, aus dreieckig unschuldigen Augen staunend und von Loden umflossen. — »Aha: Wotan der Wanderer« — kam mir zu Sinn. »Darf ich bitten?« sagte ich bescheiden und lud die beiden mit einer graziösen Handbewegung ein, sich ins Innere des Hauses zu bemühen. Dort saßen wir eine Weile einander stumm gegenüber. Das Opferlamm kauerte auf der Kante eines Hockers. Ich getraute mich nicht, meinen Gast zum Ablegen aufzufordern aus Angst, er könnte meiner Aufforderung Folge leisten. Mit einemmal hob der Prophet — es war schon wieder einer, wie ich gleich befürchtet hatte — die zottige Faust, schlug auf den Tisch und sagte dumpf: »Uech bün!« Lebhaft unterbrach ich: »Ich auch!« Wotan aber ließ mich nicht zu Wort kommen, hieb von neuem in die Luft und rief noch dumpfer: »Uech bün der Weg, die Wahrheit und das Leben.« [Johannesevangelium 14, 6] — Ich versank in Nachdenken und fragte alsdann beklommen: »Mm, hat das nicht schon einmal ein — anderer vor Ihnen gesagt?« — Das Opferlamm machte ein erwartungsvolles Näschen. Endlich kam es gemessen und weihevoll hinter dem Raubtiergebiss des Pelzmantels hervor: »Uech bün Jesus Christus!« — »Ei!« war das einzige, was ich zu erwidern vermochte, aber so anspruchslos der Ausruf auch war, er schien den Propheten seltsamerweise zu verwirren, wenigstens legte sich seine Stirn in Gramesfalten, soweit sich dies angesichts ihrer Niedrigkeit ermöglichen ließ. Ermutigt fuhr ich fort: »Wenn Sie das wirklich sind, mein Herr, dann wird es Ihnen fraglos ein leichtes sein, auf dem Wasser zu gehen?!« — ich deutete auf den See hinaus, der spiegelglatt auf ein Wunder zu harren schien. — »Hier ist Wasser! Bitte zu wandeln! Lassen Sie sich um Himmelswillen nicht abhalten!« — Tief versonnen spähte der Prophet ins Weite. Dann sagte er, ein Kindergesicht mimend, wider Erwarten ehrlich und offen: »Das ist ja eben das Sonderbare, dass ich bis heute dergleichen noch nicht fertigbringe!« — Wir tranken sodann friedlich Kaffee und rauchten Zigaretten. — Der Prophet hat später in den Zeitungen viel von sich reden gemacht. Ehemals war er Weinreisender. Heute kandidiert er für den Reichstag. Wie ich vermute, nährt er sich inzwischen von Lammfleisch.

Ich will nun einen kurzen Überblick geben, woraus das Handwerkszeug besteht, mit dem die Hochstapler der Mystik heutzutage im allgemeinen arbeiten, um möglichst viele Anhänger einzufangen. Wie bereits erwähnt, steht da in erster Linie die freche Behauptung: ich bin ein »Führer«, und wer sich mir anvertraut, dem will ich — die Krone des Lebens geben oder den Weg weisen, wie man sie erlangt. Unter dieser Krone versteht dann jeder Angeführte natürlich die Erfüllung der eigenen Wünsche, und für eine solche Hoffnung gibt er sogleich — oder nach und nach — hin, was er an Geld besitzt. Vor allem gebärdet sich der betreffende Hochstapler als Sendbote einer geheimen mystischen Brüderschaft, zumeist der sogenannten »Weißen Loge«, die in Tibet ihren Sitz haben soll. Schon in alten Schriften findet man bereits Hinweise auf eine solche Gemeinschaft der Adepten, wenn auch der Name »Weiße Loge« jüngeren Datums ist und von Amerika oder England ausgegangen, sich allmählich in andere Länder verbreitete. Paracelsus [6] deutet in dunklen Worten an, dass ihm eine solche Gemeinschaft von machtbegabten menschlichen Wesen bekannt sei. Swedenborg [7] behauptet, er habe durch innere Gesichte erfahren, das Geheimnis des sogenannten Verlorenen Wortes (das eigentliche Geheimnis aller Magie) sei gewissen eingeweihten Mongolen in der »Tatarei« immer noch bekannt, und die tibetanischen Lamas einiger Klöster (in Tan La z. B.) bestätigen dieses Gerücht als Wahrheit, indem sie angeben, in einer Oase in der Wüste Gobi lebten die Oberhäupter einer solchen Meistergemeinschaft, unzugänglich für fast jeden Sterblichen. Durch Aussenden segensreicher Gedanken, die sich auf Empfängliche — diesen unbewusst — übertrügen, lenkten sie sozusagen die Geschicke der Menschheit und erzögen geeignete Schüler. Da sehr viele von der Existenz derartiger Adepten in guten oder schlechten Büchern über Okkultismus und Theosophie gelesen haben, so ist der Boden für den Hochstapler günstig beackert. Die von alters her in Asien weitverbreitete Überzeugung, dass Magie eine Tatsache ist, hat in den letzten Jahrzehnten bis in die Länder des Westens wieder ihre Äste gestreckt, unterstützt nicht zum mindesten durch die Forschung namhafter Gelehrter auf dem Gebiete des Spiritismus, der in seiner Art ja viel von Magie in sich schließt. Während aber die Spiritisten annehmen, dass magische Phänomene nur zustande kommen könnten durch Einwirkung uns unsichtbarer Wesen — Toter und so weiter —, behaupten andere Asiaten, auch der Körper eines lebenden Menschen besäße solche Fähigkeit, nur schlummere sie in den meisten Fällen oder sei noch nicht entwickelt. Durch eine Methode, Yoga genannt, könne sie entwickelt werden. Erst durch Helene Blavatsky und die von ihr gegründete Theosophische Gesellschaft wurde in weiteren Kreisen des Westens einiges über Yoga bekannt. Bis dahin wussten nur unsere Gelehrten und Asienforscher davon. (Interessierten sich aber nicht dafür.)

Selbstverständlich ist jeder bessere Hochstapler in die Geheimnisse des Yoga von A bis Z eingeweiht. In Wirklichkeit hat er natürlich nicht die leiseste Ahnung, wie Yoga geübt werden muss, ganz abgesehen davon, dass ein Menschenleben kaum hinreicht, auch nur die ersten Stufen zu bewältigen. Um dem braven Schüler entgegenzukommen, hängt er der Lehre, die er verzapft, ein christliches Mäntelchen um, wenn er es für einträglich hält, und spielt sich auf einen biblischen Propheten, oder er macht in Rosenkreuzerei [8], und dem, der Nerven hat für die Geheimlehren Asiens, dem kredenzt er den Okkultismus der Perser oder Araber, je nachdem ihm Rezepte aus Büchern zur Verfügung stehen. Nötigenfalls bereitet er aus allen möglichen Bestandteilen alter Überlieferungen eine Art okkultistischer Scotts Emulsion, die bisweilen so geschickt zusammengebraut ist, dass jemand, der nicht gründlich bewandert ist in der umfangreichen Literatur aller Völker und Zeiten über dieses überaus geheimnisvolle Gebiet, zu dem Trugschluss kommen kann, es handle sich in dem oder jenem Falle um geradezu neue Offenbarungen, und der, der sie preisgibt, müsse unter allen Umständen ein Übermensch sein. Ich selbst habe viele sonst sehr ernste und wertvolle Menschen getroffen, die mir unterm Siegel der Verschwiegenheit von angeblich tiefsten Geheimnissen Mitteilung machten, die ihnen von dem oder jenem »großen« Führer anvertraut worden seien, und wenn ich ihnen dann Bücher vorwies, in denen dasselbe viel gründlicher längst gedruckt steht, fanden sie sofort die danebenschießende Beschönigung: ach, das Buch kennt der »Meister« sicherlich nicht — er liest überhaupt keine Bücher. Fragt man dann weiter: »Was kann denn der Meister?«, so bekommt man zu hören: »Er kann natürlich riesig viel, nur — darf er’s nicht zeigen.« (Eine ganz faule Ausrede.) Zum Beispiel: »Er kann austreten!« — Austreten!! Wohl nur wenige werden wissen, was gewisse Okkultisten (die Sorte nämlich, die sich ganz besonders eingeweiht vorkommt) unter »Austreten« verstehen. Es ist damit ein bewusstes Verlassen des Leibes gemeint. Das Geheimnis, wie man das bewerkstelligen kann, war nicht nur der Hauptinhalt der antiken Mysterien (von anderen Zwecken und Zielen abgesehen, deren Erörterung nicht hierher gehört), sondern es bildet die Basis, auf der der praktische Okkultismus des Altertums wie auch zum Teil der Neuzeit fußt. Bereits die Hexen des Mittelalters kannten Methoden, um »auszutreten«: sie bedienten sich bekanntlich gewisser Giftsalben, mit denen sie den Körper einrieben. Durch die Wirkung solcher Drogen — Bilsenkraut, Stechapfel usw. — auf das Zentralnervensystem verfielen sie in hypnotischen Schlaf und behaupteten nach dem Erwachen, sie wären, auf Besen reitend (erotische Momente spielten eine Hauptrolle), auf den Blocksberg geflogen und hätten dort Umgang mit Dämonen und Teufeln gehabt. Die mongolischen Schamanenpriester betäuben sich heute noch durch Trinken von Fliegenpilzabsud und »treten« dadurch »aus«. Ein solches Verlassen des Körpers durch Anwendung von Giften und anderen Betäubungsmitteln zu bewirken, gilt bei den Anhängern der verschiedenen Yogasysteme nicht nur für schädlich, sondern auch als grundfalsch, da hierdurch ein Eintritt in Reiche erfolgt, die nichts weniger als besuchswürdig sind und Täuschung über Täuschung bergen. Die Methode, die sie selbst anwenden, ist auf rein imaginative Grundlage gestellt: sie richten ihre gefühlsmäßige ununterbrochene Aufmerksamkeit, vom Kreuzbein an beginnend, nach und nach auf höher liegende Nervenzentren im Rückenmark, um schließlich beim Scheitel zu endigen. Sie lösen auf diese Weise ihren »Astralkörper« — so lautet der technische Ausdruck — vom physischen Leib etwa so, wie wenn man das elastische Innere eines Grashalms von der strohigen Hülle lockert, um es unbeschädigt herausziehen zu können. Jahrelanges Training ist erforderlich, um ein solches Austreten nach Yogaart zu bewerkstelligen. Man könnte es nennen: ein Sterbenlernen bei lebendigem Leib — ein bewusstes Überschreiten der Schwelle des Todes. Der »mystische Tod«, so nennen es einige alte christlich gnostische Mystiker, die Ähnliches — aber auch nur Ähnliches! — durch Inbrunst des Gebetes erzielt haben. Wenn gewisse Phänomene des Spiritismus, die mit dem gewöhnten Austreten eine nicht zu verkennende Ähnlichkeit tragen, eines Tages hinsichtlich ihrer Echtheit allgemein anerkannt sein werden — und ich glaube, der Tag ist nicht mehr fern — dann dürfte sich wohl auch die heutige Naturwissenschaft ernstlich mit der Aufhellung der betreffenden Fragen beschäftigen. Möglicherweise könnte dabei etwas so außerordentlich Umwälzendes in die Erscheinung treten, dass man sagen dürfte: der Zweck des menschlichen Lebens würde aus Finsternis in helleres neues Licht gerückt.

Vielleicht aber auch könnte gerade das Gegenteil eintreten !

Ein in Indien lebender Gelehrter, Sir John Woodruff [9], hat in den letzten Jahren sich besonders mit der Erforschung der genannten Austrittsmethoden befasst und vieles zu Tage gefördert, was bis dahin in tiefem Dunkel gelegen hatte. Unter anderem wirft das von ihm nunmehr ziemlich aufgehellte Yoga-Tantriksystem auf die Art und Weise ein scharfes Licht, wie sogenannte religiös schwärmerische Visionen und Offenbarungen bei sensitiven Personen Zustandekommen mögen. Die in dieser  Lehre Bewanderten sagen übereinstimmend aus: je nach dem Nervenzentrum, auf das sich der Shabhaya oder Yogi konzentriert, stellt sich eine ganz bestimmte Vision ein, die leicht dazu führen kann, den Betreffenden glauben zu machen, es handle sich um eine direkte »göttliche« Offenbarung und Kundgebung. Die unerfreuliche Folge ist dann: Anbetung der gehabten Erscheinung anstatt der Erkenntnis, dass es sich nur um objektiv gewordene Abspaltungen der eigenen Seele — des eigenen Ichs — handelt. Die Konzentration auf ein bestimmtes Ganglion (?) im Lendengebiet z. B. führe jedesmal dazu, dass der Betreffende die Halluzination von einem weißen Pferd hat (etwa so, wie ein vom Delirium tremens Befallener weiße Mäuse sieht), auf dem er sodann in ein himmlisches Paradies entrückt wird, ein Vorgang, den bekanntlich ein Mohammed erlebte, als er auf dem Schimmel »Berak« zu Allah zu reiten wähnte: eine ganz tiefe Stufe in der Yogapraxis! Die Yogis verachten auch aus diesem Grunde die Moslim, die die Erscheinung des weißen Pferdes im Leben ihres Propheten für eine göttliche Gnade ansehen.

Wie nun auch die Sehnsucht jener beschaffen sein mag, die sich zu dem geheimnisvollen Gebiet des Okkultismus mit Macht hingezogen fühlen: eine Erfüllung winkt ihnen niemals — nur bittere Enttäuschung —, solange sie Hilfe und Rat bei anderen suchen, als bei sich selbst und der eigenen Seele! Entwickeln kann nur jeder sich selber, denn jegliche Entwicklung ist rein individuell. Schablonen und Rezepte versagen hier und müssen versagen. Wer Fragen stellt, der weiß überhaupt nicht, worum es sich im Grunde handelt! Außer er stellt sie an sich selbst! Belehrt muss er werden durch geistige »Osmose« — durch das, was ihm einfällt: aus dem allerinnersten eigenen Ich herüberfällt in den körperlich-seelischen Menschen. Und darum möchte ich denen, die da suchen aus Sehnsucht, zurufen: hüte dich vor den sogenannten »Führern«!

Erläuterungen:

[1] – Helene Blavatsky = Helena Petrovna Blavatsky (1831 – 1891), Gründerin der Theosophical Society

Vgl.: Payer, Alois <1944 – >: Materialien zum Neobuddhismus.  —   Kapitel 5: Buddhismus und theosophische Bewegung. — URL: http://www.payer.de/neobuddhismus/neobud05.htm. — Zugriff am 2004-07-28

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[2] – Mr. Leadbeater = Charles Webster Leadbeater (1854 – 1934)

Vgl.: Payer, Alois <1944 – >: Materialien zum Neobuddhismus.  —   Kapitel 5: Buddhismus und theosophische Bewegung. — 2. 1879 bis 1888. — URL: http://www.payer.de/neobuddhismus/neobud052.htm. — Zugriff am 2004-07-28

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[3] – Krishnamurti = Jiddu Krishnamurti (1895 – 1986)

„ERLÖSERFIGUR – Zum Tode von Jiddu Krishnamurti. Der indische Philosoph Jiddu Krishnamurti ist am Montag im Alter von 90 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben. Bis zuletzt hatte der 1897 in Madras geborene Brahmane in seiner erst vor elf Jahren gegründeten Philosophenschule von Ojai in Kalifornien gewirkt und in seinen über vierzig Büchern, von denen zahlreiche auch in deutscher Übersetzung erschienen, auf die religiösen Alternativbewegungen der Gegenwart Einfluss genommen.

Bereits im Alter von zwölf Jahren war Krishnamurti von der damaligen Weltpräsidentin der ‚Theosophischen Gesellschaft‘, Annie Besant, der Nachfolgerin von Helena Petrowna Blavatsky, zur neuen Erlöserfigur, zum reinkarnierten Christus erklärt worden, die für ihn 1910 den ‚Orden des Sterns im Osten‘ gründete. Der Kult um Krishnamurti brachte die ‚Theosophische Gesellschaft‘ in eine entscheidende Krise, in deren Verlauf sich ein beträchtlicher Teil der deutschen Theosophen unter Rudolf Steiner in der 1913 gegründeten ‚Anthroposophischen Gesellschaft‘ selbständig machte.

Krishnamurti selbst lehnte lange Zeit eine organisierte Religionsbewegung ab, da er die spirituelle Wahrheit für unorganisierbar hielt. 1929 löste er dementsprechend seinen Orden auf und gründete auch erst in den siebziger Jahren in Kalifornien, England und Indien Niederlassungen seiner Schule.

Seine aus indischen und europäischen Quellen gespeiste Lehre wollte auf intuitivem Wege die Harmonie zwischen All und Ich erreichen. Religiöse Erneuerung und Meditation schienen ihm das ‚Tor zu neuem Leben‘ zu sein, wie eines seiner zuletzt veröffentlichten Bücher hieß.”
[Quelle: FAZ vom 1986-02-19]

Jiddu Krishnamurti <1895 – 1986>: Zu Füssen des Meisters : [Neue autor. Übers. aus d. Engl.] / J. Krishnamurti (Alcyone). Einleitg: Annie Besant. — Düsseldorf : Pieper, 1927.  — 50 S. — Originaltitel: At the Feet of the master (1911?)

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[4] – Diordjeff = George Ivanovitch Gurdjeff (1877? – 1949)

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[6] – Paracelsus = Philippus Aureolus Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus  (1493 – 1541)

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[7] – Swedenborg = Emanuel (von) Swedenborg (1688 – 1772), schwedischer Wissenschaftler, Mystiker und Theologe.

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[8] – Rosenkreuzerei

„Unter den Rosenkreuzern fasst man heute mehrere Geheimgesellschaften zusammen, die sich auf eine alte Tradition gleichen Namens berufen. Diese geht zurück auf einen Mythos, der Anfang des 17. Jahrhunderts in Deutschland entstand. Er hat die Existenz einer Geheimgesellschaft zum Inhalt, die Ende des 15. Jahrhunderts von einem gewissen Christian Rosencreutz gegründet worden sein soll. Absicht der Rosenkreuzer, die im Besitz eines ungeheuren Schatzes und geheimen Wissens seien, sei es, die menschliche Wohlfahrt durch den Aufbau eines von ihnen gelenkten Regimes in Europa zu sichern, bevor die Welt schließlich ihr Ende fände.

Am Anfang des Rosencreutzer-Mythos stehen drei im Druck erschienene Texte, die sog. „Fama Fraternitatis“, die „Confessio“ und die „chymische Hochzeit“. Sie sind die ersten historisch nachweisbaren Dokumente, die vom angeblichen Bestehen der geheimen Rosenkreuzer-Bruderschaft berichten.“

„Was ist ein Rosenkreuzer?

Wenn man die europäische Geschichte der Logen, Orden und Geheimgesellschaften durchleuchtet, ist es schwierig, „Rosenkreuzer“ von „Nicht-Rosenkreuzern“ zu trennen. Wolfram Frietsch definiert in seinem lesenswerten Buch Die Geheimnisse der Rosenkreuzer folgende Stichpunkte als Kennzeichen rosenkreuzerischer Lehre (Erklärungen vom Autor dieses Wikipedia-Textes):

  • Alchemie, und zwar die geistiger Natur. Es geht also nicht um materielle Umwandlung der Metalle; diese Ebene wird lediglich als Symbol für geistige Umwandlung und den Weg dorthin genutzt.
  • Hermetik, die „Lehre“ des vmtl. fiktiven Hermes Trismegistos, entstanden im Ägypten der Römerzeit und Grundlage fast sämtlicher europäischer Mystik und Magie. Bekanntestes Axiom: „Wie oben, so unten.“ (Mikrokosmos/Makrokosmos)
  • Neoplatonismus, vertreten vor allem durch Plotin; eine Lehre, die das Göttliche als das Große Eine betrachtet, aus dem die Emanationen der Schöpfung hervorgehen. Wichtig für die christliche Rezeption ist auch die Trennung von (überspitzt Formuliert) „böser“, diesseitiger Sinnenwelt und „guter“, jenseitiger Einheit im Göttlichen (Dualismus).
  • Kabbalah, die jüdische Mystik; die Lehre vom Baum des Lebens und den Sefiroth. Ein bekannterer Teil dieser Lehre ist die Numerologie, die mithilfe des hebräischen Alphabets Wort- und Namensbedeutungen berechnet und letztlich auf der Suche ist nach dem „Namen Gottes“, dem „verlorenen Wort“, auch nach einer überzeitlichen Ursprache, der „Engelssprache“.
  • Philosophie, die Schaffung eines in sich schlüssigen Weltbildes, das zumindest die spirituell relevanten Dimensionen des Erdenlebens hinreichend erklärt.

Einen besonders wichtigen Punkt, der vor allem auf die heute aktiven Rosenkreuzer zutrifft, hat er allerdings vergessen:

  • Die Gnosis, hermetisch beeinflußte christliche Mystik, die die Grundlage aller großen Rosenkreuzer-Gesellschaften ist, die sich heute noch so nennen. In den frühchristlichen Gemeinden gab es die ersten Gnostiker, später vertraten die Manichäer und die Katharer bzw. Albigenser ähnliche Lehren, ebenso Meister Eckhart, Jakob Böhme und teilweise Giordano Bruno. Da „Gnosis“ eigentlich nur „Wissen“ bezeichnet, wird das Wort in rosenkreuzerischen Kreisen gerne auch als Synonym für die postulierte Universelle Lehre benutzt, die sich nach ihrer Ansicht in immer neuen Wellen und Ausformungen durch die gesamte Menschheitsgeschichte zieht. Kennzeichnend ist eine dualistische Weltsicht: Die hiesige Erlebnisrealität ist unbeständig, das heißt alles, was entsteht, muß wieder vergehen; außerdem ist sie vom Göttlichen getrennt. Dadurch entstehen Leid und Schmerz. Deren Ende ist nur durch Absonderung vom Irdischen und Wiedereintritt in die Göttliche Sphäre möglich.

Rosenkreuzerisch beeinflußt sind fast alle aktuellen okkult-philosophischen, magischen oder mystisch-spirituell orientierten, westlichen Gesellschaften. Die meisten haben in ihren Satzungen sogar konkrete Bezüge dieser Art wiedergegeben. Als kleine Auswahl wären hier zu nennen: Die Freimaurer (bei denen in den Hochgraden entsprechende Titel zu erhalten sind), der Golden Dawn, der OTO, die Theosophische Gesellschaft, die Anthroposophie und viele andere mehr. Diese Organisationen haben jedoch mit gnostischem Gedankengut eher wenig zu tun, weswegen ich in diesem Artikel nicht weiter auf sie eingehen werde.“

[Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rosenkreuzer. — Zugriff am 2004-07-28]

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[9] – John Woodruff = John Woodroffe (1865 – 1936) alias Arthur Avalon

Arthur Avalon“ was was the pen-name of Sir John Woodroffe (1865-1936), judge of the High Court of Calcutta and Professor of Law at the University of Calcutta. At a time when many western orientalists considered Tantra to be little more than a ’supersititious degeneration‘ of Vedic orthodoxy, Woodroffe was keen to demonstrate that Tantra was a philosophically sophisticated system in its own right, and with the aid of his translator, Atal Bihari Ghose, published a series of books presenting tantric ideas for a western audience.

According to John Mumford, Woodroffe became interested in Tantra from an incident at court. It is said that one day he had great difficulty concentrating on the case before him, and one of his servants informed him that a tantric sadhu had been employed by the defendant to sit outside the courthouse and chant mantras to cloud his thoughts. Outside, Woodroffe found an ash-covered sadhu chanting a Sanskrit litany. The Indian Police drove the sadhu away and Woodroffe instantly felt his mind clear, and moreover, instilled in him a desire to find out more about Tantric practices.

The most influential of these books is The Serpent Power – a translation and commentary of the sixteenth-century Sat-Cakra-Nirupana Tantra – from which arises the most popular conception of the 7-Chakra system. Woodroffe also appears to have been the source for the often-quoted relationships between chakras and the western anatomical glandular system. The Serpent Power is probably the primary text from which the majority of ‚popular‘ western New Age/Occult appropriations on Kundalini arises.

Woodroffe’s writing is often difficult going, as his books are very philosophical, lack indexes, and there is often no clear distinction between translated text and his own commentary. Although his work is a useful resource for modern students of Tantra, they are biased towards Woodroffe’s own intellectual and moral prejudices. For example, Woodroffe saw the West as „scientific“ and India as „spiritual“ and never hesitated to make cross-cultural correlations (for example, he wanted to demonstrate that Indian metaphysics were based on ’scientific‘ concepts). He also downplayed the role played by magic or sorcery in tantra, and also its erotic qualities. He wanted to distance the sophisticated doctrines of tantra from its more notorious assciation with sorcery and sexuality. He proposed the view that descriptions of antinomian practices in tantric texts were ’symbolic‘ rather than actual.In part, this reflected both western values at the time and also a desire on the part of an Indian intellectual elite to both ‚purify‘ and domesticate Hindu tantra.

Woodroffe’s published works include:

  • The Serpent Power
  • Shakti & Shakta
  • Hymns to the Goddess
  • Tantra of the Great Liberation
  • The Garland of Letters
  • The Kulanarva Tantra

There is a biography of Woodroffe:“

Taylor, Kathleen: Sir John Woodroffe, Tantra and Bengal : ‚an Indian soul in a European body?‘. -. Richmond : Curzon, 2001. -. XVI, 319 S. : Ill.. — ([SOAS London studies on South Asia]). — ISBN 0-7007-1345-X

[Quelle: http://sourceryforge.org/wiki.phtml?title=Arthur_Avalon. — Zugriff am 2004-07-28]

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