Über die alten und neuen Mysterien – 14 – Über den Ursprung des Freimaurer-Ordens


cropped-pompeii-villa-of-mystery-3Ehe ich hierüber etwas sage, muss ich nur gleich zum Voraus erinnern, dass ich hierüber dem vielleicht neugierigen Leser diejenige Auskunft nicht zu geben im Stande bin, die er aller Wahrscheinlichkeit nach von mir erwarten, oder wohl gar fordern mögte. Ich habe es schon ehemals gesagt, dass ein historisches Faktum unmöglich das Geheimnis der Freimaurer ausmachen könne. Es gibt freilich unwissende, oder wenn man lieber will, falsche Freimaurer, die eine Geschichte für was wesentliches und sehr geheimnisvolles ansehen, und deren ganzes Wissen nur eigentlich im Erzählen besteht. Aber solche Leute verdienen auch nicht die geringste Achtung. Indessen lässt sich über den Ursprung des Ordens der Welt nur ungemein wenig sagen, weil eben dieses mit andern Dingen verbunden ist, die nicht gesagt werden können. Auch würde durch eine solche Weise dem Fremden ein Leitfaden in die Hand gegeben werden, dem er nur folgen dürfte, um von da weiter zu gehen, als er gehen sollte. Meine vornehmste Absicht ist hier nur, alle unrichtigen Vorstellungen über diese Materie zu entfernen, damit der Fremde nicht auf Abwege gerate, und eine Gesellschaft falsch beurteilt, die gewiß ihrem innern Gehalt nach seine ganze Achtung verdienen würde, wenn er sie genau kennen sollte. Es gibt auch unter den Freimaurern selbst Leute genug, die über diesen Gegenstand nicht gehörig unterrichtet sind. Dies kann keinen Fremden befremden: Denn gibt es nicht Familien genug, die durch allerlei Schicksale von ihren andern Verwandten getrennt wurden, und daher von ihrem Ursprung, Alter, und was sonst ihr Geschlecht angehen konnte, keine Nachrichten haben? Die römische Kirche hat Orden, denen es gewissermaßen eben so geht. Und wie oft hat die Fabel die wahre Geschichte verdrängt! Diesen Freimaurern wird dasjenige, was ich hier sage, von mannigfaltigem Nutzen sein.

Dass man über den Ursprung der Maurerei allerlei Fragen aufgeworfen, ist nicht zu verwundern. Sie wurde in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts in Deutschland bekannt: Denn anderwerts war sie es schon länger gewesen, und zugleich mit ihrer Bekanntwerdung rühmte sie sich eines sehr hohen Alters. Man hatte bisher wenig oder nichts davon gehört; es war also natürlich, dass man neugierig wurde, ihren Ursprung aufzusuchen, und da man denselben nicht sogleich finden konnte, bald auf diese, bald auf andre Mutmaßungen geriet.

Einige haben den berüchtigten Cromwell zum Stifter dieses Ordens gemacht, der, um das riesenmäßige Projekt einer Universalmonarchie auszuführen, diese Gesellschaft gestiftet haben soll, um allenthalben seine Anhänger zu haben. — Vielleicht hat zu dieser sonderbaren Meinung allein dieses Gelegenheit gegeben, dass die Freimaurer insgemein ihren Ursprung aus England herleiten. Vielleicht auch dieses, dass zu dem Projekt einer Universalmonarchie sich am besten solche Leute, als die Freimaurer schickten, die allenthalben zerstreut waren. Vielleicht war auch wohl gar etwas Bosheit darunter verborgen, dass man den Freimaurern einen solchen Stifter gab, als Cromwell war. Aber außerdem, dass Cromwells Grundsätze, Plan und ganzes Verhalten der Maurerei in ihrem Wesentlichen ganz entgegen ist, und sie ihn also unmöglich zu ihrem Stifter haben kann, erhellt auch noch die Unrichtigkeit dieser Hypothese daraus, dass schon lange vor Cromwells Zeiten Freimaurer in Großbritannien gewesen, und dass selbst der Orden an diesem Usurpator einen großen Widersacher gehabt. Man darf eben nicht mit dem Abt R… bis auf die Zeiten des Königs Edwin hinaufsteigen, der ein Bruder des Königs Athelstan war, und schon im Jahr 926 die Freimaurer gesammelt haben soll, um die Loge in York zu bilden. (Initiations anciennes et modernes p.105) Das ist eben so ungegründet, als wenn eben dieser Verfasser schon in Schweden unter dem König Ingo ums Jahr 1125 Freimaurer sucht, und weiter in England unter den beiden Königen Richard genannt Löwenherz 1190, und Heinrich III. ums Jahr 1270, ferner in Irland unter Heinrich II. 1180, und in Schottland unter Alexander III. ums Jahr 1284. Diese Märchen wird ein Freimaurer, der nur einigermaßen seinen Orden kennt, gar leicht widerlegen können. Indessen geht der Orden weit genug über die Zeiten Cromwells hinaus, dass man wohl unmöglich denselben zum Urheber der Maurerei annehmen kann: Und es ist eine bekannte Sache, dass schon unter der Königin Elisabeth von England der Orden daselbst in Ansehen, und sehr zahlreich war.

So tief der Ursprung des Ordens auf solche Weise herunter gesetzt wird, so hoch setzen ihn andre hingegen hinauf, wenn sie ihn aus denen Zeiten herrechnen, da die Kinder Israels in Ägypten verfolgt wurden, oder wenn andre ihn sogar aus der Arche Noah herschreiben. Freilich wird wohl nicht leicht ein Freimaurer sein, der nicht mit dem übrigen Teil des Menschengeschlechts seinen Ursprung aus der Arche Noah herleiten sollte. Aber aus jenen Zeiten schon die Maurerei selbst herzuholen, ist so lächerlich, dass es auch nicht die mindeste Aufmerksamkeit verdient.

Grandidiers Mutmaßung ist zwar nicht so ungeheuer, wenn er die Freimaurer aus denen Zeiten herleitet, da der große Münster in Straßburg erbaut wurde, welches ums Jahr 1277 war; aber sie kann völlig mit den Märchen von König Edwin und Ingo in Parallel gestellt werden. Der Abt R… widerlegt diese Mutmaßung dadurch, dass schon in frühern Zeiten Großmeister in England und Schottland gewesen. Aber das heißt, genau betrachtet, eine Unwahrheit durch eine andre widerlegen. Vielleicht wollte Grandidier die Neugier der Präsidentin d’Orenoy stillen, und gab ihr also an, was ihm zuerst in den Sinn kam. Eine Geschichte, sie mag gegründet, oder ungegründet sein, tut oft eine bessre Wirkung, als das gründlichste Raisonnement. Die Maurerei erkennt nicht Deutschland, sondern Britannien für ihr nächstes Vaterland, und damit fällt alles weg, was von ihrem Ursprung bei Gelegenheit des großen Münsters in Straßburg gesagt werden kann.

Der Abt R… führt nach diesen Meinungen noch eine andre an, welche diese ist, dass die Maurer von gewissen jüdischen Rittern abstammen, die sich bis auf die Zeiten der Kreuzzüge in der Thebaide aufgehalten, aber sich darauf mit den Kreuzfahrern vereinigt, und diesen Orden gestiftet; oder dass die unglücklichen Überbleibsel der irrenden Ritter, die unter dem Namen der Kreuzfahrer geheimhin bekannt sind, und gewisse Zeichen erfunden, woran sie sich, da sie unter ihren Feinden zu leben genötigt waren, erkennen konnten, zur Stiftung der Maurerei Gelegenheit gegeben. (Initiations anciennes et modernes p.95,96) Er widerlegt nun freilich diese Vermutung, wie sie es verdient: indessen nennt er sie doch eine solche, die der Wahrheit unter allen am nächsten kommt. Es verlohnt sich also der Mühe, den Verfasser über diesen Gegenstand zu hören. Was er von der Beschaffenheit der Freimaurer sagt, dass sie nämlich Leute von allen Religionen ohne Unterschied in ihren Orden aufnehmen, lässt eben nicht viel wahres vermuten. Denn nichts ist unrichtiger als dieses, indem die Freimaurer durchaus keinen andern einigen Zugang zu ihren Geheimnissen verstatten, als nur solchen, die sich zur christlichen Religion bekennen. Eben so ist auch, was auf der 103. Seite gesagt wird, ein deutlicher Beweis, dass dem Verfasser die wahre Maurerei gänzlich unbekannt gewesen, und dass er dagegen gänzlich falsche Stücke vor Augen gehabt. Was kann man daher auch anders erwarten, als eine gänzlich unrichtige Vorstellung von dem Ursprung dieses Ordens.

Nach einer ziemlichen Ausholung von dem Zustand der europäischen Länder in dem barbarischen Zeitalter der mittlern Jahrhunderte, kommt der Verfasser auf den Ursprung der Freimaurer, die er von den tapferen Rittern herleitet, welche in diesen dunklen Zeiten die berühmten Turniere hielten, und sich entweder einzeln als Beschützer und Verteidiger des schönen Geschlechts aufwarfen, oder sich zu gleichen Taten untereinander in Gesellschaften und Orden verbanden. Dieser Ursprung muss billig einen jeden befremden, und nichts steht so weit auseinander, als ein solcher tapfrer und mannhafter Ritter mit Helm, Spieß und Schwert, und ein Maurer mit seiner Schürze und seinem Handwerksgerät. Aber der Verfasser findet so viel Übereinstimmung in ihren beiderseitigen Endzwecken, so viel Gleichheit in ihren Grundsätzen, so viel Ähnlichkeit in ihren Gebräuchen, dass er nur noch die körperliche Ähnlichkeit hinzufügen durfte, um, wie er wirklich tut, kein Bedenken zu tragen, die Freimaurer für einen Zweig jenes edlen Stammes, oder für diese Ritterschaft selbst, und zwar noch geläuterter und vollkommner zu halten. Das war eine Ehre, die vielleicht die Freimaurer nicht erwartet hätten, und die manche von ihnen so bald nicht verwinden werden.

Der Verfasser findet die erste Spur dieser angeblichen Genealogie in dem Zweck, der ihnen gemein sein soll. Der Zweck der Chevalerie war, den Elenden beizustehen, die verfolgte Unschuld zu beschützen, und das Laster zu strafen: und eben dieses soll auch, seiner Meinung nach, der Zweck des Freimaurerordens sein. (a.a.O. p.114.115) Gewiß ein sehr edler Zweck; aber nur für jene dunkle und rauhe Zeiten, die gegenwärtigen können dergleichen entbehren, da alles mehr als ehemals unter dem Schutz der Gesetze steht, und ein Freimaurer, oder Ritter, würde in unsern Zeiten nicht nur eine sehr lächerliche Figur machen, wenn er sich zum Beschützer der notleidenden weiblichen Unschuld aufwerfen wollte, sondern die Obrigkeiten würden sich auch wohl solche Assistenten verbitten, und das, wie es sich gebührt, von Rechtswegen. Menschenliebe und Wohltun auszuüben, hält ein jeder Freimaurer für seine natürliche Pflicht, und der Orden glaubt, dass er vornehmlich darauf dringen müsse, damit seine Glieder bei ihren besondern Pflichten nicht die allgemeinen der Menschenliebe vergessen mögen. Aber das ist darum nicht Zweck des Ordens. Nach den hier angegebenen Kennzeichen des Verfassers würde man wohl wenige Mönchsorden der römischen Kirche finden, die nicht von jener alten Ritterschaft abstammten, so wenig doch solches der Wahrheit gemäß ist. Zwei Dinge können in einem Dritten übereinkommen, und stammen doch darum nichts weniger, als voneinander ab.

Eine andre Übereinstimmung will der Abt R. darin finden, dass man in der alten Ritterschaft nicht auf den Stand und Vermögen gesehen, sondern der Arme wie der Reiche, der Souverän so gut, als der Untertan, dazu den Zutritt gehabt, und sich insgesamt untereinander Brüder genannt. — Aber was das erstere anbetrifft, so ist auch hierin die Maurerei sehr weit von jener alten Chevalerie unterschieden. Jedermann kann einen Zutritt zur Maurerei erlangen, wenn er nur ein Christ und guter Bürger ist, und man sieht nicht darauf, von was für einem Stand und Geschlecht er sei. Niemand wurde hingegen zu der alten Chevalerie zugelassen, der nicht von sogenannten Adel und turnierfähig war. Anstatt also hier eine Übereinstimmung zu finden, wird vielmehr ein sehr wichtiger Unterschied zwischen beiden angetroffen. Wenn hiernächst der bloße Brudername schon einen Beweis für die Verwandtschaft der Mauererei mit jener alten Ritterschaft abgeben sollte, was würde alsdann nicht alles zu diesem Geschlecht gehören?

Der Verfasser hält hierauf seine sogenannten maurerischen Stufen mit den verschiedenen Klassen der Ritterschaft zusammen, als da sind Varlet, oder Peager, hierauf Ecuyer oder Damoiseau, und endlich der Chevalier selbst. Die ersten wurden einige Jahre von den Rittern in der Hochachtung unterrichtet, die sie dem schönen Geschlecht schuldig waren, desgleichen ward ihnen gezeigt, wie sie sich in Gefahren mutig zu bezeigen hätten. Entweder der Unterricht muss sehr rittermäßig, oder die Schüler sehr hölzern gewesen sein, sonst weiß ich nicht, wozu ein Unterricht von verschiedenen Jahren notwendig gewesen wäre? Doch die Rede ist vom eisernen Zeitalter. Jetzt lernt sich das geschwinder. Indessen, wenn sie nun gelernt hatten, sich gegen die Damen ehrerbietig zu bezeigen, so wurden sie zu Ecuyers, oder Waffenträgern, aufgenommen, und als solche waren sie Begleiter der tapferen Ritter auf ihren Zügen. Zuweilen gabs bei der Gelegenheit auch etwas zu rauben, als nämlich noch das Faustrecht im Gange war, und die Ritter noch aus ihren Raubschlössern manchen Ausfall wagten. Hatten sich nun bei solchen Gelegenheiten die Waffenträger gut gehalten, und ein gut Zeugnis von ihrem Ritter, dass der Schildknappe ziemlich flink bei der Hand gewesen, oder eine Schöne von der Notzucht befreit, so ward ein solcher unter die Ritter aufgenommen. Dies geschah, nachdem ein solcher aufzunehmender Ritter eine Nacht allein in einer Kirche oder Kapelle zugebracht, und nach abgelegtem Gelübde auf das Evangelium. (a.a.O. p.118-121)

Hiemit vergleicht nun der Verfasser die Maurerei, Ich sehe gänzlich ab von den ganz unechten und unwürdigen Vorstellungen, die von der Maurerei hier gemacht werden. Ein jeder sieht leicht, dass es nur auf etwas Witz ankommt, um zwischen Dingen, die nicht die mindeste Übereinstimmung untereinander haben, doch wenigstens einige scheinbare Ähnlichkeiten anzutreffen. Eben so gut aber, als hier die Freimaurer zum Gegenbilde gewählt worden, eben so gut, und noch weit leichter, hätte eine jede Mönchssozietät von den fetten Karmelitern an, bis zu den magern Mönchen von La Trappe, gewählt werden können, und der Verfasser würde hier in den Varlets die Laienbrüder, in den Ecuyers die Novizen, und in den Chevaliers die Mönche selbst gefunden. Das wichtigste aber fehlt bei dem Verfasser, und das ist das Geheimnis der Maurerei. In der ganzen alten Chevalerie ist aber nicht die mindeste Spur von irgend einem Geheimnisse. Der Verfasser sagt zwar, dass sich der neu aufgenommene Ritter hätte verpflichten müssen, seine Ehre und die Geheimnisse der Chevalerie zu verteidigen; aber was hier von Geheimnissen gesagt wird, ist ein bloßer Einschiebsel, um dadurch doch einige auffallende Ähnlichkeit zwischen der Ritterschaft und Maurerei zu zeigen. Gesetzt aber, dass sie auch dergleichen gehabt hätten, so kann man sich doch leicht von ihnen den würdigen Begriff machen, dass wohl eine gute Faust, aber nicht der Kopf die Sache dieser tapfern Herren war, von welchen durchgängig galt, was der König David sagt:

Quoniam non cognovi Literaturas.

Da es dem Verfasser nicht an Witz gebricht, so wird es niemand wundern, dass man hier zwischen Dingen, die aufs weiteste von einander abstehen, Ähnlichkeit und Vergleichungen antrifft, als mit der Accollade der alten Ritter, mit ihrer Galanterie in Ansehung des schönen Geschlechts, und den Handschuhen der Freimaurer, auch vielen andern Dingen. Was ich vermisst habe, ist die Vergleichung des Maurerschurzes mit der Panzerdecke, und des Huts mit dem Helm.

„Jeder Orden“, sagt der Verfasser, „erwählte sich einen Schutzpatron, als Monseigneur St. Georg, Monseigneur St. Jakob, Monseigneur St. Johann, und da dieses berühmte Patronen der alten Chevaliere gewesen, so ist es auch kein Wunder, dass die Freimaurer gleichfalls einen von diesen als den Schutzpatron von ihren Versammlungen ansehen.“ (a.a.O. p.127.128) Wäre die Maurerei eine Gesellschaft, zu welcher allein Glieder der römischen Kirche gehörten, so wäre es nicht unglaublich, dass sie sich aus der Zahl der Heiligen einen Monseigneur Schutzpatron erwählt. Aber nun fällt dieses Wohl von selbst weg. Wäre auch, wie der Verfasser glaubt, der Orden nichts anders, als eine Fortsetzung der alten Chevalerie, so würde wohl St. Georg eher, als St. Johann auf das Patronat der Maurerei Anspruch machen können. Wenn aber die Freimaurer das Fest St. Johannis, als einen ihnen besonders heiligen Tag ansehen; so geschieht es nicht, weil sie den Vorläufer des Heilands als ihren Schutzpatron betrachten, sondern weil dieser Tag für sie in mancher Beziehung sehr merkwürdig ist, und die Feier desselben ist nicht ein dem Schutzheiligen geweihtes Fest, sondern eine frohe Erinnerung gewisser großer Wohltaten, die an diesem Tage dem Orden zugeflossen sind.

So sind aber durchgängig die Vergleichungen beschaffen, die von dem Verfasser zwischen der alten Ritterschaft und der Maurerei angestellt werden, um diese von jener herzuleiten. Sie sind ein Beweis von dem Witz des Verfassers, und seinem Vermögen, Ähnlichkeiten aufzusuchen. Aber sie sind auch ein Beweis, wie ungemein man sich zu verirren im Stande ist, wenn man bloß dem Witz Raum gibt. Der gute Wille des Verfassers ist zu loben; aber dass es diesem guten Willen an den gehörigen Kräften fehlen müsse, sieht man deutlich, wenn man noch die Namen eines Chevaliers de l’Orient, Chevaliers de l’Aurore, Chevaliers du Soleil, Chevaliers de St.Andre mit zu den Freimaurern gerechnet findet.

Eine Betrachtung kann ich hier unmöglich vorübergehen lassen, und diese betrifft die wichtige Frage: „Wozu dient die ganze Maurerei, wenn sie nichts anders als eine Fortsetzung der alten Chevalerie ist?“ Ist dies wahr, so kann ich nicht umhin, sie für eine ganz zwecklose, lächerliche, und höchst überflüssige Sozietät im Staat zu halten. Ein Ritter, so gut es ihm immer in seinem ganzen Aufputz in jenen alten Zeiten mag gelassen haben, und so manches Gute auch dadurch in jenen finstern und barbarischen Zeiten mag gestiftet worden sein, ist doch in unserem Jahrhundert eine lächerliche Figur. Tritt er öffentlich auf, so ist er eine Maske, bei deren Erscheinung alle Kinder von den Gassen sich versammeln, und je gravitätscher er einher tritt, und seine Lanze schwingt, um desto größer und allgemeiner wird das Gelächter. Spielt jemand diese Rolle für sich allein, so fürchtet man mit Recht einen falschen Gang der Seele. Die ganze Verfassung der Welt hat sich seit den Zeiten ganz umgekehrt, und sich in der Maurerei jene alte Ritterschaft denken, heißt sich ein Ding denken, was ganz und gar mit unsrer gegenwärtigen Verfassung der Welt nicht bestehen kann. Es passt sich so wenig zu unsrer heutigen Welt, als sich eine römische Legion mit Bogen, Pfeilen und Streitäxten zu einer einzigen unsrer heutigen Armeen passen würde: Und die Fortsetzung einer solchen Sozietät würde, genau betrachtet, nichts anders als die Auferziehung einer Missgeburt sein. — Aber wie zwecklos, und mithin wie überflüssig und töricht würde bei dieser Hypothese der ganze Maurerorden sein. Jene Chevalerie diente im Felde, übte sich in Leibesübungen, beschützte den Notleidenden, und die verfolgte Unschuld. Das mogte in den Zeiten gelten, da noch die bürgerliche Sozietät nicht ihre gehörige Fertigkeit erlangt hatte; jetzt fällt dieser Zweck weg, und jeder Staat würde die Freimaurer bitten, sich nicht solche überflüssige Mühe zu geben. Ein Freimaurer mit solchen Obliegenheiten und Zwecken der alten Chevalerie würde eben das sein, was der Jude außerhalb Palästina, und der Fisch außer dem Wasser ist. Wollte man noch sagen, dass die Ausübung der Pflichten der Menschenliebe und Wohltätigkeit, und überhaupt jene Pflichten der abgelebten Chevalerie nach unsern Zeiten modifiziert von den Freimaurern ausgeübt werden könnten und würden; gut: aber was braucht man dazu Maurer oder Chevalier zu sein? — So sieht es mit dieser ganzen Ableitung aus, die, anstatt der Maurerei einen würdigen Ursprung zu geben, auf solche Dinge leitet, wobei die Maurerei notwendiger Weise mehr verlieren als gewinnen, mit einem Wort, lächerlich werden muss.

Ich habe es schon gleich zu Anfang dieses Abschnitts erinnert, dass ich nicht im Stande bin, die Neugier des fremden Lesers mit einer ausführlichen und genauen Nachricht von dem Ursprung der Maurerei zu befriedigen. Ich will es indessen doch versuchen, über diesen Gegenstand einiges Licht zu verbreiten. Man urteilt nicht ganz unrecht, wenn man die Maurerei aus Britannien herleitet. Von da ist wenigstens die Freimaurerei zu allen andern europäischen Nationen gekommen, und hat sich mit dem Handel in die entferntesten Weltgegenden ausgebreitet, so, dass man sehr wenig Etablissements von Europäern in den übrigen Weltgegenden finden mögte, wo nicht auch Freimaurer sollten angetroffen werden. Indessen ist es ausgemacht, dass die Maurerei nicht in England zu Hause gehört, und es kann sehr gegründet sein, wenn die Engländer selbst sagen, dass der Orden von Frankreich aus nach Britannien gebracht wurde. Ausgemacht falsch aber ist es, dass vor dem Jahr 1720 keine Spur der Maurerei in Frankreich angetroffen werde. Schon im 17. Jahrhundert waren ansehnliche Logen in Frankreich, vornehmlich zu Paris, und so wie der Orden eigentlich aus Frankreich nach Britannien gekommen, so waren im Gegenteil wiederum alle im 17. Jahrhundert in Frankreich gestifteten Logen englischen Ursprungs. Wer einigermaßen nur mit der Geschichte des Ordens bekannt ist, wird auch von der Wahrheit dieser Nachricht überzeugt sein, und wissen, wie das zusammenhängt und wieder auseinander geht, ohne dass ich nötig habe, es durch Dokumente zu bekräftigen, die doch vor der Welt nicht mehrern Glauben haben würden, als was ich hier nach demjenigen schreibe, was wir vom Orden wissen.

Die Maurerei ist, genau betrachtet, nichts weniger, als ein so altes Institut, wozu sie von vielen, die der Sache nicht genau genug kundig gewesen, gemacht wird. Man kann es mit Recht zu den Fabeln rechnen, wenn man sich schon unter dem König Athelstan in England, oder Edwin ums Jahr 926 Freimaurer denkt, und Herr de la Lande mag noch von so vielen Akademien der Wissenschaften Mitglied sein, so ist diese Nachricht vom Ursprung der Freimaurer in der Enzyklopädie doch nichts weniger als gegründet. Eben so wenig ist unter Ingo, König in Schweden, ums Jahr 1125 und unter Alexander III. in Schottland ums Jahr 1284 an Maurerei zu denken. Sie ist jünger, und man darf nur etwas mit der äußern und innern Beschaffenheit dieser Sozietät bekannt sein, so wird man gewisse Erhebungen des hohen Alters dieser Sozietät für nichts anders, als für eine leere und gänzlich ungegründete Pralerei halten müssen.

Dem ungeachtet kann es doch auch nicht geleugnet werden, dass der Orden, in andrer Hinsicht betrachtet, ungemein alt ist. Gibt das Alter den Dingen einen vorzüglichen Wert, so mögte man wohl wenig Dinge finden, die mit diesem Orden und seinen Geheimnissen nur einigermaßen könnten in Vergleich gestellt werden, und König Edwin und Athelstan leben noch in viel zu jungen Zeiten. Aber auch hier verwirrt man sich oft, und sucht, wenn man von dem hohen Alter des Ordens hört, da den Ursprung desselben auf, wo es der Natur nach unmöglich ist, nur die geringste Spur von demselben anzutreffen.

Wahrheit und Tugend sind so alt als die Welt, und haben immer Bewunderer, Verehrer, und warme Freunde unter den Menschen gefunden. Wie es der menschlichen und unverdorbenen Natur wesentlich eigen ist, für das physische Schöne Gefühl zu haben, so gilt dies auch von dem moralisch Schönen, und kein Lasterhafter ist so verdorben, dass er nicht das Gute bewundern sollte, ob es gleich von ihm fern ist. Ist er gleich schon so tief gesunken, dass ers tadeln kann, so redet doch immer in ihm selbst eine Stimme fürs Gegenteil. Aber auch immer haben Wahrheit und Tugend mit Irrtum und Lastern zu kämpfen gehabt, und die Geschichte der Welt weiß manche wichtige Epochen aufzuzeigen, da man alle Kräfte, sie gänzlich zu unterdrücken, angewandt. Einer derselben hat der Orden und seine Geheimnisse seinen Ursprung und Einrichtung zu verdanken. Da waren edle, weise und tugendhafte Männer, denen das allgemein sich ergießende Verderben zu Herzen ging, und da sie dem reissenden Strom nicht widerstehen konnten, den edelmütigen Entschluss fassten, einen Orden, eine heilige, und vom Volk abgesonderte Gesellschaft zu stiften, in deren unzugänglichen Innern sie dasjenige niederlegen und erhalten könnten, was sie als das Größte und Verehrungswürdigste mit Recht ansahen. Das war der Anfang des Ordens und seiner Geheimnisse. Es ist begreiflich, dass sie damals noch nicht alles dasjenige befasst, was nachmals den ganzen Umfang derselben ausgemacht. Alle Dinge in der Welt sind der Vergrößerung und der Verringerung unterworfen. Aber noch nie sind Weisheit und Tugend ausgesäet worden, ohne dass sie reiche und herrliche Früchte hervorgebracht haben sollten. Das war auch das glückliche Los des Ordens schon in den entferntesten Zeiten, und dasjenige, was weise und tugendhafte Männer anfänglich demselben anvertraut hatten, um es unter den sicheren Hüllen eines heiligen Ordens vor dem Untergang zu bewahren, und einer edeldenkenden Nachkommenschaft aufzubehalten, wuchs dergestalt empor, dass der Dichter davon mit Recht sagt:

Dass Phöbus Aug auf beiden Hemisphären
Nichts herrlichers, als unsre Logen sieht

Was nur großes und vollkommnes nach dem Verhältnis der Welt gedacht werden konnte, das ward sein Teil, und brachte die Glückseligkeit derer auf den höchsten Gipfel der Vollkommenheit, die würdig gefunden waren, an seinem verschlossenen Innern Anteil zu nehmen. Eine nähere Erklärung hierüber ist unmöglich. Ein einziger Blick ins Innere gewährt mehr, als alle Beschreibungen zu geben im Stande sind. Aber wenn die Alten von ihren Mysterien sehr erhabene Schilderungen machen, dass sie selbige als den Inbegriff von allem, als das erhabenste Licht, als den Anfang eines wahren Lebens ansehen, so kann dies gewiß mit eben so vielem Recht auch von den Geheimnissen unsers Ordens gesagt werden, obgleich diese von jenen himmelweit unterschieden sind. Denn, als Finsternis und Barbarei mit allen ihren traurigen Folgen rings umher alles erfüllten, wurde das Innere desselben durch ein solches Licht erhellt, das nicht nur in jenen Zeiten alles übertraf, sondern auch noch jetzt, wenn es der Natur nach möglich wäre, dass unsre Geheimnisse offenbar werden könnten, die Bewunderung und Verehrung der ganzen Welt auf sich ziehen würde. In dem, was ich hier sage, sind keine Hyperbolen. Vom Licht kann man sich nicht anders ausdrücken, als dass es erleuchtet, wärmt, und belebt. Es werden hiermit auch nicht, wie ein neuerlicher Gegner unsers Ordens behaupten wollte (Gedanken über die Freimaurerei), unsre Geheimnisse außer den Grenzen des menschlichen Verstandes hinausgeführt. Wir fordern es vielmehr von jedem, der an ihnen Teil nimmt, dass er alle Schwärmerei, alles, was eine erhitzte Einbildungskraft hervorbringen kann, von sich entfernen, und den kalten, gesunden, unbefangenen Menschenverstand allein prüfen, beurteilen, handeln lasse, und da wird es sichtbar, dass unsre Geheimnisse das größte und verehrungswürdigste sind, was nur der Menschheit zu Teil werden konnte.

Man kann es der großen Weisheit, die den Stiftern unsers Ordens eigen war, außer der besondern Aufsicht der Vorsehung über denselben, wohl allerdings zuschreiben, dass derselbe sich so lange erhalten hat, da so viele andre vortreffliche Sozietäten, die zugleich mit ihm die große Reise durch die Zeit machten, untergingen, und in ihren eigenen Wohnungen begraben wurden. Aber doch konnte unsre Gesellschaft nicht von demjenigen ausgenommen sein, welchem alle Dinge, die durch die Hand der Zeit gehen, natürlich unterworfen sind. Unser Orden hat daher wichtige Schicksale und Veränderungen erfahren. Aber bei allen denselben sind die Geheimnisse desselben unverrückt erhalten worden. Hier konnten sie der eindringenen Gewalt nicht länger widerstehen. Eine Sozietät, die in der Welt liegt, und aus Menschen besteht, muss menschlichen Schicksalen auch notwendig unterworfen sein. Aber eben da, wo alles in seine Ruinen zu stürzen schien, war man am eifrigsten bemüht, sie für den gänzlichen Untergang zu sichern, und mitten aus den Trümmern stieg ein schöner Bau empor, der dem vorigen an Größe und Vortrefflichkeit vollkommen ähnlich war. Und so musste es sein, so lange noch das Wesentliche unserm Orden blieb. Dies ist immer dasselbe und unveränderlich; das Äußere, das Zufällige allein ist den Veränderungen unterworfen. Endlich siegte die Maurerei. Ob dieses die letzte Palingenesie sein werde? Das ruht allein in den Händen desjenigen, von welchem alles abgewogen wird. Sie ist noch nicht so alt, dass man von dieser Seite ihren baldigen Hingang besorgen dürfte. Aber die großen Revolutionen, die diese Sozietät seit einem Vierteljahrhundert in sich selbst erfahren, und manche Schritte, die von unverständigen Gliedern derselben gemacht sind, versprechen ihr keine lange Dauer. Doch eben das Auge, das in den entferntesten Zeiten über den Orden und seine Geheimnisse wachte, wird es auch für die Zukunft tun, und das nicht untergehen lassen, was wir als eines der kostbarsten Geschenke ansehen, die es nur seinen Lieblingen zuwenden konnte.

Das sind ungefähr die Begriffe, die man sich von der wahren Maurerei, ihrem Ursprung, Gegenstand, und Schicksalen zu machen hat. Ich bin nicht im Stande gewesen, eine Geschichte derselben zu schreiben. Diese gehört nicht fürs Publikum, da sie mit zu vielen Dingen wesentlich verbunden ist, die das Innere dieser Sozietät und ihre Geheimnisse selbst angehen. Und den Ort, wo diese Geheimnisse entstanden sind, und die Zeit, wenn sie ihren Ursprung genommen haben, angeben, würde ohne Entweihung im allereigentlichsten Verstande unmöglich sein. Genug, aus diesen kurzen Zügen sieht ein jeder, dass die Begriffe des Abts von R., und wer sonst noch mit ihm den Orden aus den Zeiten der alten, unwissenden und barbarischen Chevalerie herleiten mögte, ganz ungegründet, und geradezu der Wahrheit und Wahrscheinlichkeit entgegen sind.

Ein jeder Freimaurer erhält mit seinem Eintritt in den Orden das Anrecht, oder vielmehr die Aussicht, an Dingen von der größten Wichtigkeit einmal Teil zu nehmen. Ist es gleich auch hier eine große Wahrheit, dass unter vielen, die berufen wurden, nur wenig Auserwählte sind; so befindet sich doch jeder Freimaurer überhaupt genommen in der Gesellschaft, wo diesen Aussichten einmal ein Genüge geleistet werden kann. Auch selbst die allerunechtesten Freimaurer, und die den wahren Zweck des Ordens ganz verkennen, haben sich nicht so weit von der Wahrheit des Ordens entfernen können, dass sie nicht ihren Zöglingen die angenehme Hoffnung machen sollten, dass sie einmal zur Vollendung geführt, den Tag als den glücklichsten ihres ganzen Lebens ansehen würden, an welchem sie zum Orden gebracht sind. Ist der Orden nichts anders, als dasjenige, was ihn der Abt R., und andre seines Gleichen, sein lässt, nichts anders als ein Produkt der alten Chevalerie, ein ausgestorbener Ritterorden, eine Geburt jener barbarischen Zeiten, wo nur das Faustrecht galt, und Wissenschaften gänzlich unter den Füßen lagen; was ist das für eine Sache von Wichtigkeit, dass man um deswillen noch nötig hätte, die kleinste Verbindung zu übernehmen? Was ist darin so großes, dass man Ursach hätte, den Tag, da man zum Orden getreten, für den glücklichsten seines Lebens anzusehen? Gewiß der Ursprung des Ordens muss über jene dunklen Zeiten weit hinausgehen, und man kann eher sagen, dass das Zeiten der Verheerung, als solche gewesen sind, in denen die Geheimnisse ihren Ursprung genommen hätten.

So viel bin ich über diese Materie zu sagen nur im Stande; aber so viel ist auch genug, um dem aufmerksamen Maurer einige Winke zu geben, die ihn einigermaßen der Wahrheit näherbringen können, und auch zugleich den Fremden zu hindern, sich unrichte Begriffe von einer Sozietät zu machen, der er gewiß bei einiger nähern Kenntnis seinen ganzen Beifall schenken würde.

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