Über die alten und neuen Mysterien – 15 – Über die große Anzahl der Freimaurer


cropped-pompeii-villa-of-mystery-3Nichts macht mit der Größe maurerischer Geheimnisse einen größern Kontrast, als eben die große Anzahl von Freimaurern, die in der Welt angetroffen wird. In Deutschland allein werden nach der geringsten Berechnung über 20.000 Freimaurer angetroffen. Wie groß ist ihre Anzahl in den übrigen europäischen Staaten, und rechnet man dazu alle diejenigen, die in den übrigen Weltteilen sich befinden; so ist gewiß kein Orden je in der Welt gewesen, der dem Maurer-Orden an Menge der Glieder gleich gekommen. Eine Million Menschen ist das geringste was man annehmen kann, die zum Orden gehört. (Ich setze hier die allergeringste Zahl. Der Verfasser der Religionsbegebenheiten setzt die Zahl der Freimaurer auf 2 Millionen. Es ist unbegreiflich, woher er diese Nachricht hat? Denn unter allen Freimaurern auf der Welt sind vor ungefähr 16 Jahren einige deutsche Freimaurer zuerst auf den Gedanken gekommen, Listen von allen zu ihrer besonderen Partei gehörigen Glieder aufzunehmen. Aber dieses Vornehmen ist nie recht ausgeführt worden, und endlich beinahe gar liegen geblieben. Andre haben gar nicht einmal daran gedacht. Es ist daher eine gänzliche Unmöglichkeit, es zu bestimmen, wie zahlreich der Orden ist. Sind die andern Nachrichten des Verfassers der Religionsbegebenheiten von den Freimaurern nicht aus bessern Quellen hergeleitet, so sieht man leicht, was man darüber zu urteilen hat. Wenn doch Leute nicht von Sachen redeten, die sie nicht kennen.)

Schon in England ist die Maurerei immer sehr ausgebreitet gewesen, und sie war nicht so bald daselbst gestiftet worden, als sie schon eine große Menge von Mitgliedern erhielt. Man kann dieses aus den vielen Logen abnehmen, die in London allein gestiftet worden, und von welchen einige gewiß ziemlich alt sind. Aber das alles ist in gar keine Vergleichung mit der ungemein großen Anzahl der Freimaurer in Frankreich zu setzen. Es ist bekannt, dass die Mode bei dieser Nation der Tyrann ist, der alles bestimmt. Kaum war die Maurerei in diesem Königreich gestiftet worden, und hatte einige Männer von Rang zu Mitgliedern erhalten, die in der Welt den Ton angaben, so hielt es der Franzose schon für ein wesentliches Erfordernis eines galanten Mannes, ein Freimaurer zu sein: Und nun nahm die Anzahl der Glieder dieses Ordens dergestalt zu, dass man in allen Klassen und Ständen von Menschen, vom Prinzen von Geblüt an, bis zum Friseur und Bedienten Freimaurer daselbst antrifft. Selbst unter den Kapuzinern gibt es Brüder dieses Ordens. Paris allein enthält an hundert Logen, und es ist nicht leicht ein angesehener Ort in Frankreich, wo nicht einige, oder doch wenigstens eine Loge, sein sollten.

In den Niederlanden hat der Orden ebenfalls viele Mitglieder, und die Logen sind schon vor dreißig Jahren in eine gewisse Art von näherer Vereinigung unter sich getreten, dergestalt, dass die gesamten Logen in den vereinigten Provinzen ein einziges Ganzes ausmachen. Hier sind auch sogar Juden zum Freimaurerorden getreten, die teils ihre Logen für sich haben, teils in andre Logen gehen. Vielleicht hat gar Kaufmannsgeist mit niederländischer Staatstoleranz verbunden an diesem seltsamen Phänomen den meisten Teil.

In Deutschland hatte der Orden anfänglich nur sehr wenig Anhänger, und vor ungefähr 50 Jahren hätte man in ganz Deutschland schwerlich über 4 Logen zusammenbringen können. Aber schon seit dem Jahr 1741 nahm der Orden ungemein an Logen zu, die größtenteils englischer Konstitution waren. Mit dem Kriege von den Jahren 1757 bis 1763 breitete sich die Maurerei noch ungleich mehr in Deutschland aus, wozu die Franzosen das meiste beitrugen, nach deren Konstitution ungemein viele Logen in ganz Deutschland errichtet wurden. Aber nichts übertrifft den Zuwachs, den die Maurerei in Deutschland seit dem Jahr 1763 erhalten, da es bei vielen, oder eigentlich bei denen, die sich für Verbesserer aufwarfen, ein förmliches Geschäft ward, die Maurerei auszubreiten, und mit einer Menge an Gliedern zu überschwemmen. Dies war auch der zeitpunkt, da der Orden in verschiedene Parteien zersplittert wurde, und eine jede derselben ihr Hauptaugenmerk darauf richtete, sich durch die Vielheit ihrer Glieder ein größeres Ansehen zu verschaffen. Seit diesen in der Tat unglücklichen Zeiten ist die Anzahl deutscher Maurer nicht nur den Engländern und Franzosen gleich gekommen; sondern wenn man alle diejenigen nimmt, die sich zu deutschen Maurern überhaupt rechnen, so kann man auch wohl behaupten, dass diese jene noch an Menge übertreffen mögten.

Nach Russland ist die Maurerei durch Engländer, Franzosen und Deutsche gebracht worden, und alle diese haben auch in den verschiedenen Gegenden des Reichs viele und zahlreiche Logen errichtet. Aber es blieb dabei nicht. Der Russe ist unter allen europäischen Völkern am meisten zur Nachahmung geneigt, und wenn gleich Freimaurer mit in dem Verzeichnis der Parteien stehen, die von der griechischen Kirche mit dem Bann belegt sind, so hat doch das nicht gehindert, dass nicht der Orden unter den Russen selbst ungemein viele Anhänger erhalten haben sollte, die aber, je nachdem sie von Engländern, Franzosen, oder Deutschen nach ihren verschiedenen Parteien ihren Ursprung haben, auch untereinander sehr verschieden sind. Auch hier ist also der Freimaurerorden eine Sozietät, die ungemein viel Anhänger hat.

Eben das gilt auch von Dänemark und Schweden, wohin die Maurerei ursprünglich aus England, und hiernächst auch von Deutschen gebracht wurde. In dem letztern Reiche hat die Maurerei schon seit verschiedenen Jahren große und öffentliche Freiheiten erhalten, und man muss gestehen, dass die schwedischen Maurer sich als Leute gezeigt haben, die sich bemühten, der menschlichen Gesellschaft nutzbar zu werden. Wären sie aber geblieben, was sie waren!

Von Italien, Spanien und Portugal ist die Anzahl der Maurer unstreitig in Italien am größten, dahingegen in den beiden letzten Reichen die Glieder des Ordens fast allein aus Fremden bestehen, die sich des Handels wegen daselbst niedergelassen haben. Den Grund dazu sieht ein jeder leicht ein. Doch ist immer in diesen Ländern, und vorzüglich in Italien, der Orden zahlreich genug, ob gleich in diesem Stück Italien, Spanien und Portugal mit andern Ländern von Europa in keinen Vergleich gestellt werden können. Dies gilt auch von Polen, wohin der Orden zuerst durch Franzosen gebracht wurde, bis endlich auch Deutsche die Maurerei daselbst auszubreiten gesucht haben.

Aus diesem kurzen Abriss sieht ein jeder, wie ungemein reich an Mitgliedern die Sozietät ist, die sich im Ganzen genommen zum Freimaurerorden rechnet, ob es gleich immer beinahe unmöglich bleibt, es mit einiger Zuverlässigkeit anzugeben, wie hoch sie sich erstreckt.

Wie ich schon gleich im Anfang dieses Abschnitts erinnert habe, so steht nichts mit der Größe der maurerischen Geheimnisse, und überhaupt mit dem Begriff von Geheimnissen so sehr in Kontrast, als eben diese große Menge. Ein Geheimnis, das 1.000.000 Mann wissen, ist das widersprechendste was gedacht werden kann. Fast kann man sich, wenn man dieses ansieht, nicht enthalten zu denken, dass, bei einer solchen Lage der Sache, die Freimaurer entweder gar kein Geheimnis, oder doch gewiß nicht ein solches haben können, das von einiger Wichtigkeit sei, weil sie sonst wohl unmöglich zugeben würden, dass ihre Sozietät sich so weit ausbreitete, dass man ihre Mitglieder nicht zu hunderten, sondern zu tausenden zählen müsste.

So viel ich mich erinnere, so hat man noch bisher von dieser Seite keine Einwendung gegen den Orden hergenommen, so nahe es auch vor jedermanns Augen lag. Ich fasse es selbst auf; und dies mag dem Leser für meine Aufrichtigkeit, Unparteilichkeit und Wahrheitsliebe einen Beweis abgeben. Ich will noch mehr hinzusetzen. Man mögte dieser Einwendung sogleich die eleusinischen Geheimnisse, und überhaupt die Mysterien der Alten entgegen setzen. In den kleinen eleusinischen Geheimnissen wurden zuweilen auf einmal 30.000 Menschen eingeweiht: und wenn auch die großen Mysterien nur das Teil weniger Menschen waren, die aus der Priesterschaft, oder sonst aus den vornehmsten Personen im Staat genommen wurden; so blieb doch die Zahl derselben immer groß genug, wie mancherlei Arten von großen Mysterien es unter den Alten gab, die im Grunde genommen überall dieselben waren, an wie vielen verschiedenen Orten sie auch begangen wurden. Beschäftigten sich, ungeachtet dieser großen Anzahl, die Mysterien der Alten nicht mit Dingen von weniger Erheblichkeit, warum soll dies eben bei den Freimaurern bei ihrer großen Anzahl stattfinden?

Ich gestehe es, diese Widerlegung hat manches scheinbares. Aber genau untersucht ist sie von wenigem Belang. Denn, wenn die kleinen eleusinischen Geheimnisse, zu welchen manchmal tausende eingeweiht wurden, und ein jeder, der für einen guten Bürger im Staat gehalten werden wollte, eingeweiht werden musste, den Namen der Mysterien führten, so war solches gewiß sehr uneigentlich. Die Großen verdienten mehr, und im eigentlichen Verstande, diesen Namen. Nun ist es freilich gewiß, dass auch zu diesen immer Leute genug hinzugelassen wurden. Aber warum werden Geheimnisse verheelt, und je größer sie sind, um desto wenigern anvertraut? — Man fürchtet, dass sie gemein werden, man fürchtet den Nachteil, der aus dem Missbrauch entstehen könnte: Und was man sonst für Gründe haben kann. Das alles war bei Mitteilung der großen Mysterien gar nicht zu besorgen, indem sie doch nur immer dem auserlesensten Teil der Priesterschaft, und den vornehmsten Personen im Staat anvertraut wurden, deren Interesse, wenn Religion und Staat, und sie selbst bestehen sollten, es erforderte, was man ihnen entdeckte, aufs sorgfältigste zu verheimlichen. Und bei dem allen kann es doch auch einem aufmerksamen Forscher nicht entgehen, dass man, in Ansehung der Personen, bei Mitteilung der größern Geheimnisse, eine Auswahl beobachtete, die in der Natur der Sache selbst gegründet war, indem einige ein gleiches Interesse für alle hatten, andre aber nur diejenigen angehen konnten, für welche die Mysterien gewissermaßen Studium waren. Nimmt man alles zusammen, so muss man doch sagen, dass die Anzahl derer, die zu den großen Geheimnissen hinzugelassen wurden, noch sehr gering war. Dieses findet bei den Freimaurern nicht staat; jedermann wird hinzugelassen, und ihre Anzahl ist außerordentlich groß.

Ich komme nun auf das erstere wieder zurück, und gestehe es einem jeden gerne zu, dass nichts so sehr mit dem Geheimnis und dem Wert desselben kontrastiert, als eine große Menge von Menschen. Aber die Maurerei ist ihrem Ursprung, ihrer ersten Stiftung und Endzweck nach, nichts weniger als eine solche Sozietät, die zahlreich sein, und einiges Aufsehen in der Welt machen sollte. Wenn es daher Freimaurer gegeben hat, und noch gibt, die ihren Wert, ihr Ansehen, ihre Macht in der großen Anzahl ihrer Mitglieder setzen, die wohl gar ihre Missionarios apostolicos in alle Welt ausgeschickt, um die andern Freimaurer zu ihrem System zu bekehren, und es von ihren Logen gefordert, eine solche oder solche Anzahl von Mitglieder zu schaffen; so ist dieses ein überzeugender Beweis, dass dergleichen Maurer von dem wahren Wesen und Zweck des Ordens gar nicht unterrichtet sind. Wäre der Orden etwas militärisches, sollte es einmal darauf losgehen, den Großtürken aus Europa zu treiben, und hätten es die Freimaurer vor, hierin den dem Hause Österreich, oder Russland, unvermutet beizustehen; so mögte es hingehen: aber da dies nicht ist, so braucht es keiner Erläuterung, was man von solchen Freimaurern denken soll. Es ist hiernächst ausgemacht, dass je größer und ausgebreiteter eine Gesellschaft ist, desto weniger kann Eintracht, festes Zusammenhalten, und genaue Übereinstimmung in derselben erreicht werden, desto näher ist sie der Unordung und dem damit verbundenen Fall. Dies ist aus der Geschichte aller Zeiten, und aller Orden, die noch je auf der Welt gewesen sind, offenbar, und auch nach der Beschaffenheit des menschlichen Herzens nicht anders zu erwarten. Aber außerdem legen dergleichen an der Erweiterungssucht krank liegenden Freimaurer von ihrer innern Geheimnisse ein offenbares und ganz unwiderlegliches Zeugnis ab.

Ich sehe hiemit zugleich einem wichtigen Einwurf entgegen. Ich bestreite eigentlich die Torheit solcher Maurer, die sich auszubreiten suchen, die in der Anzahl ihrer Glieder ihre Größe und ihre Vorzüge setzen, und auf solche Weise gleichsam die herrschende Kirche des Ordens ausmachen wollen. Aber vielleicht mögte man sagen, dass, da die Maurerei überhaupt, und nicht etwa eine Partei allein sehr ausgebreitet ist, alle die Fehler, die aus einer großen Anzahl von Mitgliedern herfließen, und was man von einer so zahlreichen Gesellschaft zu urteilen berechtigt ist, nicht eine Partei allein, sondern den Orden überhaupt treffe.

Der Grundsatz bleibt immer stehen, dass ein Geheimnis von vorzüglich großer Wichtigkeit unmöglich das Teil sehr vieler Menschen sein kann. Aber bei dem allen verliert der Orden nichts. Die ganze Maurerei ist als eine Pflanzschule zu betrachten, aus welcher sich der Orden diejenigen gleichsam aushebt, die er als solche erkannt hat, welche der Mitteilung seiner innersten Geheimnisse empfänglich sind, und sich durch ihr Verhalten dieses Vertrauens würdig gemacht haben. Alle Maurer auf der ganzen Welt machen gewissermaßen diese Pflanzschule aus, und außer derselben ist es unmöglich, dazu zu gelangen. Alle Maurer haben diese Aussichten, und man kann gewissermaßen auch sagen dies Anrecht, sie mögen sonst in ihren verschiedenen Arten noch so weit von einander abstehen, und wenn irgend eine einzige Partei von diesem Anrecht sollte ausgeschlossen sein, so könnten es natürlicher Weise nur diejenigen sein, die sich auszubreiten suchen, und in der Vielheit ihrer Glieder ihren Wert und ihre Größe setzen. Denn diese gehen, wie ein jeder leicht sieht, einem Ziele zu, dem alle andren Freimaurer mit Recht den Rücken zuwenden. Bei allen andern ist diese große Anzahl etwas zufälliges, und es mag daher ihre Anzahl noch so groß sein, als sie immer wolle, der Wert, und die Größe maurerischer Geheimnisse wird dadurch um nichts erniedrigt. Denn je höher sie steigen, in desto wenigern Händen sind sie. Unter mehrern Zirkeln, die in einem einzigen eingeschlossen sind, ist das der weiteste, der der Peripherie am nächsten liegt, und das im Gegenteil der engste, der dem Zentrum am nächsten ist. So gehet es auch im Orden.

Man kann hieraus aber auch nicht folgern, dass der große ausgebreitete Teil von Maurern sich mit geringschätzigen Dingen beschäftigte, und von den Geheimnissen des Ordens, die nur das Teil weniger Edlen sein sollen, weit entfernt wäre. Sie sind ingesamt der Wahrheit so nahe, so mit den höchsten Geheimnissen des Ordens umgeben, dass sie keinen einzigen Schritt machen, wo sie nicht von ihnen allenthalben begleitet werden, und was dem kleinsten Maurer entdeckt wird, ist schon in dieser Hinsicht von der größten Wichtigkeit. Aber es ist einer unsichtbaren Schutzgottheit gleich, die allenthalben den ihr anvertrauten Liebling begleitet, jedoch nur demselben alsdann erst sichtbar werden kann, wenn dieser sich von groben Körperlichkeiten losgerissen, und sein blödes Auge mit göttlicher Kraft gestärkt hat. Wer diesem hohen Endzweck des Ordens nachgeht, und durch sein Verhalten dem Ziel entgegen eilt, erreicht es gewiß. Wer es aber verkennt, oder vorsätzlich, und durch ein unregelmäßiges Verhalten aus dem Gesicht verliert, bei dem trifft ein, was der Dichter sagt:

Allein den niedern Seelen
Bleibt niedrer Staub und Dunkelheit.

Der Zweck des ganzen Ordens ist Fortsetzung und Erhaltung seiner Geheimnisse. Das war er, als der Orden gestiftet wurde, das wird erbleiben, es mag die Zahl der Maurer noch so gering, oder noch so groß sein, als sie immer wolle. Als die Sozietät nur noch wenige Mitglieder zählte, war die Absicht, alle, die zu derselben gehörten, mit der Zeit an den Geheimnissen Teil nehmen zu lassen. Dies ist gegenwärtig bei der zufällig entstandenen Ausbreitung des Ordens unmöglich, und bei denen, die nicht zufällig zahlreicher geworden, sondern sich vorsätzlich ausgebreitet und sich also selbst herabgewürdigt haben, muss man dergleichen gar nicht erwarten, da sie von dem Zweck des Ordens eben so weit, als von den Mysterien desselben entfernt sind. Aber kann gleich diese Absicht nun nicht mehr allgemein erreicht werden, so ist doch darum kein einziger Freimaurer, der sich um deswillen unglücklich fühlen sollte. Denn außerdem, dass man ein Gut noch nicht bedauern kann, welches man noch nicht in seinem ganzen Umfang kennt, so hat der Orden doch für einen jeden so viel Reiz, dass er nicht umhin kann, sich glücklich zu schätzen, demselben anzugehören. Man hat auch in gut geordneten Logen, wo der eigentliche Hauptzweck nur bei wenigen vollkommen erreicht werden kann, solche mit jenem in Verbindung stehende Nebenendzwecke aufgesteckt, dass ein jeder schon darin seine Zufriedenheit finden muss, wenn er sieht, dass sie immer mehr und mehr erreicht werden.

Ich will es nicht untersuchen, sondern es lieber andern zu bestimmen überlassen, ob der Abt R. recht urteilt, wenn er sagt, dass die maurerischen Zusammenkünfte für die Franzosen ein Gegenstand des Vergnügens, hingegen für die nordischen Völker wichtige und vielbedeutende Dinge sind; wenn er dieser ihren Gehorsam, Obedienz, und genaue Observanz bei den geringsten Kleinigkeiten erhebt, von dem in einer deutschen Loge entworfnen Plan einer Enzyklopädie, von einer in Mitau fundiert sein sollenden sogenannten öffentlichen Bibliothek, und dergleichen Dingen redet. (Recherches sur les Initiations anciennes et modernes. p.143,144) Die Sachen sehen in der Nähe oft ganz anders aus, als sie von ferne zu sein scheinen. Ein großer Monarch, der selbst Maurer geworden, und der Maurerei in seinen Staaten öffentliche Freiheit gegeben hatte, verbot den Freimaurern eben die affaires graves et importantes, die von dem Abt. R. so sehr erhoben werden, und dies Verbot war sehr recht, da eben diese affairs graves et importantes den Haupt-Grund-Gesetzen des Ordens geradezu entgegen waren. Wenn die so hoch gepriesene Obedienz in einen Despotismus ausartet, so braucht man nur kaum einen Schritt in den Orden getan zu haben, um einzusehen, dass dieses mit der Freimaurerei etwas ganz unverträgliches ist. Und überhaupt ist noch immer sehr die Frage, ob die unschuldige Heiterkeit, und sittsame Zwanglosigkeit, die in den französichen Logen herrscht, nicht weit geschickter sei, den Maurer zu prüfen, ihn zu bilden, und seiner einmaligen großen Bestimmung zuzuführen, als jener militärische Pedantismus, der doch am Ende auf ein Nichts beruhet, und den der Abt R. selbst verwerfen würde, wenn er ihn kennen würde.

Einigen von Freimaurern gemachten Einrichtungen, die der Verfasser anführt, will ich es gar nicht absprechen, dass sie nicht nutzbar sein sollten: Wenigstens widerlegen sie den dem Orden so oft von Fremden gemachten Vorwurf, dass diese Sozietät für die Welt gar nicht nutzbar sei. Aber ich kann von dergleichen ins öffentliche gehenden Einrichtungen, nie anders urteilen, als dass ich sie für ein Notmittel ansehe, wozu der Orden, eben durch die Vielheit seiner Glieder, zu greifen genötigt wurde. Das waren noch glückliche Zeiten, da der Orden, als das stille Verdienst im Verborgenen die edlen Werke der Liebe und der Menschlichkeit ausübte, nicht nach äußern Stützen griff, sondern seine Erhaltung von der Hand desjenigen allein erwartete, der in das Verborgne sieht.

Der Orden mag zahlreich, oder gering an Mitgliedern sein, so wird bei einem jeden derselben Bildung und Zubereitung zu demjenigen, was aus ihm werden soll, vorausgesetzt. Der beste Samen in ein unbearbeitetes Erdreich ausgestreuet, trägt, wo er nicht gänzlich verdirbt, doch nie die Früchte, die er auf einem gut bestellten Grunde getragen haben würde. Bildung des Maurers ist, nächst Erhaltung und Fortpflanzung der Geheimnisse, der höchste Zweck der Sozietät, der mit jener in der genauesten Verbindung steht. Kann es bei der großen Ausbreitung der Maurerei unmöglich statt haben, dass die innersten und höchsten Geheimnisse, die im Schoß derselben liegen, allen zu Teil werden; Oh! Dieser Endzweck kann gewiß allgemein erreicht werden, und der Orden hat gewiß alsdann ein sehr großes Verdienst um die Menschheit, wenn dadurch die geselligen Tugenden, Gerechtigkeit, Billigkeit, Sanftmut, Duldsamkeit, Bescheidenheit, usf. in der Welt allgemeiner und herrschender gemacht werden. Und glücklicher Orden, der solche Schüler zieht, dass es ihm schwer wird zu wählen, welchen unter ihnen er seine Geheimnisse in vollem Maß mitteilen soll! Dann übertrifft er gewiß jene alten Mysterien weit, bei welchen doch immer auf Stand und Geschlecht, obleich nicht auf Rittersfähige und Turniermäßige Ahnen, die vornehmste Rücksicht genommen wurde.

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