Über die alten und neuen Mysterien – 16 – Über einige neuere die Maurerei betreffende Schriften


cropped-pompeii-villa-of-mystery-3Ich hätte mit dem vorhergehenden Abschnitt die gegenwärtigen Betrachtungen schließen können. Es ist darin alles, was ich von den alten Mysterien weiß, gesagt, und was ich von den neuern Mysterien sagen konnte, und was der ganzen Lage der Sachen angemessen ist, das ist gleichfalls darin gesagt und erklärt worden. Aber eben da fielen mit ein paar Schriften aus unsern an maurerischen Schriften so reichen Zeiten in die Hände, die ich nicht ganz ungenutzt konnte liegen lassen. Wer Beruf zum rezensieren hat, der sollte sie nun wohl eigentlich rezensieren. Aber doch wirds meinen Lesern nicht ganz unangenehm sein, wenn ich ein paar Worte darüber rede. Vielleicht stifte ich auch hiemit was Gutes; und wenn ich für maurerische Irrwege Brüder und Fremden warne, so habe ich noch um den Orden das Verdienst, dass ich unrichtige Begriffe, die ihm nachteilig werden könnten, von ihm entferne.

Die erste Schrift führt den Titel: „Über Jesuiten, Freimaurer und Rosenkreuzer„. Sie soll, der Angabe nach, von einem ehemaligen Mitgliede der Gesellschaft Jesu, Namens Joseph Aloisius Maier, herausgegeben sein, der von dem Aufsatz über die Jesuiten als Verfasser angegeben wird, den Brief über die Maurerei aus den Händen eines alten, echten Mitglieds dieser Gesellschaft erhalten haben will, und endlich den Aufsatz über die heutigen sogenannten deutschen Rosenkreuzer aus Dokumenten geschöpft haben soll. Ich kann nicht leugnen, dass dieses sonderbare Assortissement mich gleich anfangs sehr befremdete, und noch kann ich es nicht begreifen, wie Jesuiten, Freimaurer, und Rosenkreuzer zusammen kommen, die sonst wohl so weit auseinander stehen, dass an kein Zusammengehen zu denken ist. Irre ich aber nicht durchaus, so ist die ganze Absicht des Verfassers gewesen, den so genannten deutschen Rosenkreuzern einen tödlichen Streich zu versetzen, und dasjenige, was er für Maurerei ansieht, so viel an ihm ist, zu rechtfertigen. Da der Verfasser sich für einen Jesuiten angibt, der in den geheimen Grundsätzen der Gesellschaft Jesu erzogen wurde; so mögte man von dieser Seite das meiste von ihm erwarten. Aber gewiß um desto weniger von Freimaurern und Rosenkreuzern, und dieses nicht nur um deswillen, weil Jesuiten mit diesen letztern gar in keinen Akkord zu bringen sind, und ich es noch bisher nach allen meinen Überzeugungen, die ich vom Orden habe, für eine gänzliche Unmöglichkeit halte, dass ein Jesuit ein echter Freimaurer, und dieser jener sein könne; sondern vornehmlich, weil er sich als einen solchen selbst ausgibt, der nicht selbst Freimaurer oder Rosenkreuzer ist. Das erste, was einem jeden gleich einfallen muss, ist der Zweifel, ob vielleicht derjenige, von dem der Brief über die Freimaurer herrühren soll, ein echtes Mitglied deses Ordens wirklich sei, und ob die Dokumente über die Rosenkreuzer auch so echt sind, als wofür sie ausgegeben werden? Was diese Dokumente und den daraus hergeleiteten Begriff der Rosenkreuzer anbetrifft, so muss ich dieses denen zu beurteilen überlassen, die das Glück haben, zu dieser Sozietät zu gehören. Aber was Maurer und Maurerei anbetrifft, so zweifle ich ganz ungemein, dass irgend ein einziger echter Freimaurer den Verfasser des Briefs für ein echtes Mitglied dieser Gesellschaft halten mögte. Man kann also hieraus schon zum voraus urteilen, was man sich von dieser ganzen Schrift für Begriffe zu machen im Stande ist. Ich will indessen dieses etwas genauer durchgehen.

Über Jesuiten, die hier zuerst angeführt werden, habe ich wenig oder nichts zu sagen. Die ganze Sache liegt gewissermaßen zu weit aus meinem Gesichtskreis. Dieser Orden hat, wenn man unparteilich urteilt, Verdienste um den Unterricht und die Gelehrsamkeit. Aber seine Verdienste sind mit dem großen Nachteil, den er in der Welt und in der Religion angerichtet, mit den großen Verbrechen, deren er sich auf so mannigfaltige Weise schuldig gemacht, und die in der Tat aus dem Innern und dem Geist des ganzen Ordens selbst herzuleiten sind, in gar keinen Vergleich zu setzen. Die Regenten, die auf die Unterdrückung dieses in Wahrheit so äußerst schädlichen Instituts gedrungen, und dessen Aufhebung dem Hofe zu Rom abgenötigt haben, haben sich um Religion, Tugend, und Menschlichkeit gewiß unsterblich verdient gemacht. Die sanften, duldsamen Gesinnungen, die jetzt in verschiedenen katholischen Staaten aufblühen, und wahre Mittel zur Größe der Regenten, und zur allgemeinen Glückseligkeit der Welt sind, diese schönen Gesinnungen, die unserm Jahrhundert Ehre machen, würden nie haben empor kommen können, so lange die Jesuiterei im Gange geblieben wäre. Man würde sie entweder mit Gewalt erstickt und ausgerissen haben, oder sie würden durch die listigen Ränke dieser Sozietät verdeckt zerstört worden sein, wie eine Pflanze, die der Erdkrebs unter der Erde anfrisst. Es ist kein einziges Faktum von dem Verfasser angeführt, das nicht seine vollkommene Richtigkeit hätte, oder das etwa zuviel gesagt wäre. Aber alles dieses ist nichts neues, nichts, was die Welt nicht schon lange gewusst hätte. Von einem Mann, der selbst Jesuit gewesen, und bei ihnen auferzogen wurde, hätte man noch bessre, und bisher noch unbekannt gebliebene Nachrichten und Aufschlüsse erwarten können.

Eine Schilderung ist mir sehr auffallend gewesen. Sie ist diese: „So lange sie die Leute brauchen, sind sie niederträchtig gefällig; haben sie aber was sie wollen, so sind sie gegen ihre Wohltäter schändlich undankbar, und stürzen dieselben sogar, wenn es ihr Interesse erfordert. — Sie sagen, wenn sei jemand nicht gut sind, er sei im bösen Ruf. Man spricht auch wirklich aller Orten Böses von ihm. Unterdessen sind nur sie es, die ihm diesen Ruf auf die schändlichste Art machen. Sie teilen z.B. die Stadt in so viele Teile als Jesuiten darin sind. Jeder von ihnen muss dann in seinem Distrikt Verleumdungen gegen den Mann ausstreuen, den sie gern herunter haben wollen.“ (S. 58,59) Gewiß, das ist das schändlichste, was nur gebracht werden kann. Eine solche Sozietät, die so das Wohl der bürgerlichen Gesellschaft untergräbt, verdient, dass alles, was Mensch ist, sich gegen sie verbinde. Aber gehört dieses schädliche Prinzip nur allein bei den Jesuiten zu Hause? Von einem andern ausgestorbenen Orden könnte ich grade dasselbe anführen, so das ich geglaubt hätte, der Verfasser rede von diesem, wenn ich nicht gesehen hätte, dass er von Jesuiten handelt.

Die Warnung des Verfassers wider die heimlichen Gänge dieses aufgehobenen Ordens, um denselben empor zu bringen, verdient alle Achtung, alle Aufmerksamkeit. Dass sie in Preußen ein Noviziathaus haben sollten, halte ich für ungegründet. Es müsste unter einem andern Namen sehr verdeckt gehalten werden. Aber wenn sie es hätten, so glaub ich dennoch nicht, dass ihnen solches das mindeste zur Widerherstellung ihres verstorbenen Ordens helfen würde, da der Monarch eben kein Freund von dergleichen Auferstehungen abgeschiedener Orden ist, und, wenn ein solches Gespenst sich zeigt, einen kräftigen Exorzismus immer bei der Hand hat, vor welchem ein solches Phantom unmöglich bestehen kann. Aus den Schritten, die gegenwärtig überhaupt gegen alle Orden und Möncherei in der Welt mit so vielem Recht gemacht werden, dürften sich auch eben die Jesuiten wohl nicht die Hoffnung machen, dass ihre, oder eines andern ausgestorbenen Ordens Wiederauferweckung so bald geschehen werde. Sehr verdient würde sich der Verfasser aber um die menschliche Gesellschaft gemacht haben, wenn er dasjenige, was er auf Seite 16 sagt, genauer und deutlicher bestimmt hätte, wo es heißt: „Ich könnte noch hier eines erst kürzlich reif gewordenen Plans Erwähnung tun, den sie durch ihre Emissarien zu bewirken suchen, und der dahin zielt, eine große Gesellschaft von Männern, die sich bis jetzt in dem allgemeinen Ruf von Weisheits- und Tugendliebe erhalten haben, in ihr Interesse zu ziehen.“ Warum will der Verfasser die Entwicklung dieses Plans erst abwarten? Er sichere die Menschheit, und jeder Redliche wird ihm dankbar sein. Irre ich, wenn ich glaube, dass hiemit zu verbinden ist, was auf Seite 63 steht? „(Die Jesuiten) vertrauten solche (Gelder) den listigsten Leuten selbst unter den Protestanten an, die, ohne dass man begreifen konnte, woher sie das Geld nahmen, auf einmal anfingen große Figur zu machen, und Kapitalien anzulegen. Ja! Die Liebe zum Wunderbaren hat manche dieser Leute auf einmal in den Ruf von Goldmachern gebracht.“

Der Brief, der von einem angeblich erfahrenen Freimaurer über diesen Orden geschrieben sein soll, gehört mehr zu meiner Absicht. Ich muss also etwas genauers darüber sagen. Zuerst werden Einwürfe angeführt, die ein angeblicher Fremder wider den Freimaurerorden macht, und denselben erstlich als ein schädliches Institut, demnächst aber als eine wenigstens unnütze Sache schildert. Diese Einwürfe sind nicht neu, und nicht solche, die nicht mit hinlänglichen Gründen schon längst in verschiedenen maurerischen Schriften widerlegt wären. Ich berühre daher diese Seite nicht weiter, und überlasse es jedem Leser, selbst zu beurteilen, ob und in wie fern ihm die Antworten des Verfassers eine Genüge leisten? Ich habe hier mit Dingen von etwas mehrerer Wichtigkeit zu tun. Dahin gehört zuerst, was der Verfasser sagt: „Haben sie je gesehen, dass aus Freimaurer-Schriften etwas von politischen Absichten hervorleuchtet?“ (Seite 79)

Ehrliche Unparteilichkeit ist die vornehmste Pflicht eines jeden Untersuchers und Verteidigers einer guten Sache. Und hier leistet mir die Frage des Verfassers kein Genüge: denn sie hebt nicht alle Einwendungen, die gemacht werden können. Ich setze mich an die Stelle des Fremden, und da weiß ich, ich habe mit einer Sozietät zu tun, die, um den gelindesten Ausdruck zu wählen, ihre Sachen geheim hält, und auch in ihren öffentlichen Schriften äußerst behutsam ist, dass kein Wort von den Geheimnissen des Ordens entfalle. Da würde ich also, als Fremder, gleich dem Frager antworten: Dafür werden sich die Herren wohl hüten, dass sie nichts dergleichen der Welt bekannt machen. Hält sie ihre Ordenspflicht nicht davon zurück, so ists die Furcht vielleicht für den Regenten, unter welchem sie leben. Zeigen sie uns einmal ihre Archive; findet sich darin nichts, so will ich glauben.

Ich bin fest überzeugt, als ein Mann, der viele Jahre im Orden zugebracht, und alle Arten und Gattungen der Maurerei durchsucht hat, dass die wahre Maurerei nichts in sich fasst, was den Rechten des Regenten und der Ruhe der bürgerlichen Sozietät nur im geringsten zu nahe treten könnte. Es ist eine Gesellschaft, die für sich betrachtet mit nichts in Verbindung steht, und mit der Kirche und dem Staat nur in so fern an einander grenzt, dass sie ihre Mitglieder aus der bürgerlichen Sozietät nimmt, und dass diese Glieder Christen sein müssen. Übrigens sind es die Stillen im Lande, die für sich leben, und keinen einzigen Plan haben, den sie auszuführen gedächten. Aber bei aller dieser Überzeugung, die ich habe, bei diesem Geständnis, welches ich vom Orden ablege, wird die Frage des Verfassers irgend einen Fremden beruhigen können?

Aber gesetzt, sie hätte dieses unerwartete Glück, so reisst doch, was bald darauf gesagt wird, alles wieder nieder. „Es ist wahr“, fährt der Verfasser (Seite 79) fort: „kürzlich hat man einem Zweige desselben die Absicht, den T…. O…. (Anm. viefag: vermutlich Templerorden) wieder herzustellen, vorgeworfen. Allein, wenn auch dieses elende Märchen wahr wäre, wenn auch nicht, (wie es wirklich ist), gewisse aus dem T…. O…. aus guten Gründen in die Maurerei gekommene, nachher aber übel verstandene Zeremonien dazu Anlass gegeben hätten; was für Gefahr würde denn, nach der jetzigen Verfassung von Europa, aus dieser Wiederherstellung entstehen? Sie werden doch nicht glauben, dass das ganze Heer von Freimaurern, Männer aus allerlei Ständen, einen Krieg anfangen würde, um die alten Güter jenes Ordens zu reklamieren?“ (Seite 79,80) Hier muss ich einen Augenblich inne halten. Ich lasse es unentschieden, ob dasjenige, was man einem Zweige der Maurerei kürzlich vorgeworfen, seine Richtigkeit hat, oder nicht, dass es nämlich die Absicht desselben sei, den T…. O…. wieder herzustellen? Das mag dieser Zweig am besten selbst beantworten. Die wahre Maurerei kennt dergleichen nicht. Die Auferweckung der Toten ist nicht ihre Sache, und sie ist zu ernsthaft und verständig, als dass sie sich mit Dingen befassen sollte, die an sich höchst lächerlich sind. Die wahre Maurerei hat auch noch nie einen Plan gehabt, den sie in der Welt auszuführen gedacht. Aber hat dieses Märchen wirklich, in Ansehung eines Zweigs unter den Freimaurern, Grund; so sehe ich nicht ein, wie es möglich ist, mit dem Verfasser die Verteidigung oder Rechtfertigung eines solchen Vorhabens zu übernehmen. Die Wiederherstellung des T…. O…. und des Jesuiten-Ordens laufen hier miteinander vollkommen parallel. Beide sind unter öffentlicher Autorität aufgehoben: Beide sind also für die bürgerliche Sozietät ganz illegitime Gesellschaften. Sind die Machinationen dieser letztern, ihren Orden wieder von den Toten zu erwecken, gesetzwidrig, so ist es auch jene Absicht. Und wenn ein Zweig unter den Maurern solche Absichten hätte, wenn wirklich das Märchen nicht ein Märchen, sondern authentische Wahrheit wäre, so handelt dieser Zweig wider den Staat, und wider die ersten Grundsätze der Maurerei, und gibt einem jeden Gliede das Recht, solches öffentlich anzuzeigen, weil die Versicherung, die ihm der Orden gab, ehe er noch seine Verbindung ablegte, diese war, dass der Orden nicht enthielte, was dem Staat, der Religion, und den guten Sitten entgegen wäre. Die Unrechtsmäßigkeit einer solchen Absicht liegt am Tage, ohne dass man die Sache weiter nach allen Umständen untersuchen darf, indem dasjenige, was unter öffentlicher Autorität aufgehoben, und aus der bürgerlichen Sozietät verwiesen ist, nicht von Partikuliers, nicht ohne eben solche öffentliche Autorität wieder eingeführt und wieder hergestellt werden kann. Das würde Schmuggel und eine strafbare Art von Schleichhandel sein. — Der Verfasser fragt, welche Gefahr davon, nach der jetzigen Verfassung von Europa, zu besorgen wäre? Ich frage nur dagegen: Ob dasjenige, was jetzt nicht gefährlich ist, es in der Zukunft auch gar nicht werden könne? Keine größere Gefahr, als wenn die Jesuiten ihren Orden wieder herzustellen, oder sich hinter einen andern verbannten Orden zu verstecken suchten. In beiden Fällen aber dürften die Fürsten noch etwas einzuwenden finden, wenigstens nach der Denkungsart, die jetzt in Ansehung der Orden durchgängig statt findet, und der Gedanke an Restitutionen aufgehobener Orden dürfte wohl nicht leicht in ungelegnere Zeiten fallen, als in die gegenwärtigen. Denn wo die vorhandenen nicht einmal bestehen können, wo werden denn die aufgehobenen wieder herkommen und bestehen? „Dass das ganze Heer von Freimaurern“, wie der Verfasser sagt, „aufsitzen und einen Krieg anfangen werde, um die alten Güter jenes erloschenen Ordens zu reklamieren, ist zwar nicht zu besorgen.“ Wenn alle Freimaurer der Meinung wären, die nach dem Verfasser einen Zweig derselben aufgebürdet wird, so würde es mit einem so bunten Heer nicht besser abgehen, als mit demjenigen des Petrus Eremita. Aber liegt dieses entfernter, als wenn es den Jesuiten einkommen sollte, ihre Ansprüche auf Paraguay, und auf die ihnen in Deutschland, Spanien, Frankreich, und in andern Reichen abgenommenen Güter einmal bei einer guten Gelegenheit wieder hervorzusuchen? Mich dünkt, diese ganze Seite hätte nicht in einem Buch gerührt werden müssen, wo so viel vortreffliches über die Jesuiten gesagt war, das hier immer angewendet werden kann.

„Aber neue Akquisitionen zu machen“, fährt der Verfasser fort, „wer wird ihnen das Recht abstreiten, es sein nun unter dem Namen der Ritter, oder Kaufleuten, wenn man sie übrigens duldet, wie man Handlungsgesellschaften duldet?“ Das: „Wenn man sie übrigens duldet“, ist ein herrliches Wort. Aber wen duldet? Dass man Freimaurer, als ruhige, stille Leute ohne große Besitzungen, Pläne und Projekte, duldet, das geschieht. Das sie auf ihren Namen noch keine öffentlichen Akquisitionen überall machen dürfen, das ist bekannt. Ob man sie aber dulden würde und könne, wenn es wahr wäre, dass sie jene Absichten hätten, das müsste auf den Versuch ankommen. Doch was kann leichter widerlegt werden, als dieses? Wird man es den Jesuiten erlauben, neue Akquisitionen zu machen? Ich denke nein! Ja wenn sie es unter dem Namen von Rittern oder Kaufleuten tun? Ich denke auch da nicht, und der Verfasser des ersten Aufsatzes tritt mir bei.

„Doch das ganze“, setzt der Verfasser hinzu, „ist eine Grille, worüber jedes Wort zu viel gesagt wäre.“ Und er hat Recht. Die wahre Maurerei kennt, wie gesagt, dergleichen gar nicht, sie weiß auch von keinem einzigen Akquisitions-Plan weder unter dem Namen von Rittern, noch von Kaufleuten. Ihr so was aufbürden, heisst eben so viel, als sie nicht kennen, sie entehren. Und sollte es ja Freimaurer geben, die sich mit solchen Spekulationen aus den Zeiten der Chevalerie das Gehirn verwüsteten, so werden alle wahren Glieder des Ordens nicht nur, sondern auch selbst die Fremden am besten wissen, wohin sie dieselben zu weisen haben.

Was der Verfasser noch über sogenannte geheime Wissenschaften, Überlieferungen, Pläne, udg. sagt, wovon er nicht weiß, wer diese Wörter in die Maurerei gebracht, (S.81) darüber habe ich mich schon vorhin erklärt. Pläne, Vergrößerungspläne, Restaurationspläne, Fabrikenpläne, Stempelpläne, ökonomische Pläne, und wie man sonst die Erfindungen elender Projektmacher nennen mögte, diese verkennt allerdings die wahre Freimaurerei. Aber liegt das Geheimnis der Maurer innerhalb den Grenzen des menschlichen Verstandes, so ist es notwendig, dass es etwas sei, das erkannt wird, und wo dies ist, da ist Erkenntnis oder Wissenschaft. Ist diese Sache ein privatives Eigentum derer, die zum Orden gehören, und allen Fremden unbekannt und unzugänglich; so ist Geheimnis da. Ist der Orden und sein Geheimnis kein Hemerobion, (fliegendes Ungeziefer, das nur einen Tag lebt) haben wir vielmehr denselben, sowohl nach seinem Innern als Äußern, von denen, die uns zu demselben gebracht, und diese widerum von ihren Vorgängern; so ist Überlieferung da. Übrigens überlasse ich es einem jeden vernünftig denkenden, er mag Maurer oder Fremder sein, es selbst zu beurteilen, was er sich von einer solchen Vorstellung für Begriffe zu machen hat, wenn es heißt, dass der Geist, der auf dem Maurer ruht, ihn zu allen Dingen geschickter mache, und ihn erleuchte ohne zu lehren; (Der Verfasser zeigt sich hier sehr unwissend, oder sehr schwärmerisch. Sonst ist es bekannt, dass erleuchten nichts anders heißt, als unterrichten, lehren. S. Biel. novas Thes. Philol. unter *****. Der Verfasser aber, der Erleuchtung ohne Unterricht annimmt, muss also, wie die Quäcker, durch ein inneres Licht erleuchtet werden. Der Geist, der hier erleuchtet, wird als wohl der nämliche sein, der den hocherleuchteten George Fox, Schuster zu Leisester, inspirierte.) dass die Wahrheit fühlbar und anschaulich wirke, dass die Freimaurer nur den Funken erwecken, der in die unverdorbene menschliche Natur gesenkt ist, udm. — Was ist dies ganze Gerede? — Nichts. — Ist dieses eine wahre Schilderung vom Orden, so ist er gewiß ein Unding, und beschäftigt sich mit einem Unding, und dann wundert es mich nicht, wenn Leute auftreten, wie der Verfasser der „Gedanken über die Freimaurerei“, die dem Orden Schuld geben, dass er ein Non-ens zu realisieren suche. Und wie ist der Widerspruch zu vereinigen, wenn der Verfasser sagt: „Dies Licht mögten wir so gern über die ganze Welt wieder verbreitet sehen“, und sich doch wieder über die große Ausbreitung der Sache beklagt, „die nur für wenig Menschen gemacht ist.“ Ists das letzte, gehört das Geheimnis der Maurer nur für wenig Menschen, wie kann man denn dahin arbeiten, wie kann man nur wünschen, dass es über die ganze Welt verbreitet werde?

Sehr recht urteilt der Verfasser, wenn er sagt: „es gibt noch sehr wenig Freimaurer in Deutschland, so wie es wenig Christen gibt.“ (S.85) Auch wahr ists, was er sagt, „dass diese Wenigen herzlich über das Spiel der andern lächeln.“ Ob sie aber mitspielen, ob nur eine Hauptloge in Deutschland ist, die mit der echten Quelle in Verbindung stehe, das alles sind Dinge, die zwar leicht gesagt, aber schwerlich mögten bewiesen werden können. So ist es auch viel zu unbestimmt, wenn es heißt: „alle Freimaurerei ist echte Freimaurerei.“ Wenn echt so viel heißt, dass man in allen Logen von der Wahrheit des Ordens vollkommen unterrichtet, und dem Zweck desselben gerade zugeführt werden könne; so kann man dies nur von äußerst wenigen sagen, und ich zweifle sehr, dass die vorgenannte einzige Hauptloge zu der Zahl der wenigen gerechnet werden könne. Heisst aber „echt“ so viel, dass im Grunde genommen alle Freimaurer auf der ganzen Erde einen und eben denselben Ursprung haben, so gebe ichs zu. Aber auch alle Menschen sind Menschen, weil sie von unserem gemeinschaftlichen Ahnherrn Adam abstammen. Sind sie darum alle gerade so gebildet, und so verständig wie er?

Von den Uneinigkeiten unter den Maurern sage ich hier noch nichts. — Der Verfasser kommt zuletzt noch auf die Rosenkreuzer; aber da hierüber eine sogenannte zuverlässige Nachricht beigefügt wurde, so muss ich hievon noch besonders reden. Der Verfasser unterscheidet hier gleich zu Anfang die wahren Rosenkreuzer von der heutigen After-Gesellschaft in Deutschland, welche sich diesen Namen gibt. (Seite 93) Ich habe weder die Ehre zu den angeblich wahren Rosenkreuzern, noch zu der sogenannten After-Gesellschaft zu gehören, deren der Verfasser hier gedenkt, und werde auch wohl niemals in Versuchung geraten, ein Mitglied dieser Gesellschaft zu werden. Ich glaube also im Stande zu sein, ein ziemlich unparteiisches Urteil zu fällen. Wollte man hingegen einwenden, dass ich um desto weniger urteilen könnte; so hat dies wohl freilich in so weit seine Richtigkeit, dass mein Urteil demjenigen eines Rosenkreuzers weit nachstehen muss. Aber das meinige wird doch darum nichts schlechter sein, als dasjenige des Verfassers, der eben so wenig, als ich, zu dieser Gesellschaft gehört.

„Man hörte zuerst“, sagt der Verfasser, „etwas von dieser Gesellschaft in Deutschland zu Anfang des vorigen Jahrhunderts, indem dieselbe unter dem Namen der Unsichtbaren, Unsterblichen, Illuminaten, und Rosenkreuzer verschiedene Schriften ins Publikum schickte.“ (Seite 101) Woher doch diese Nachrichten ihren Ursprung haben mögen! Niemals wird man im Stande sein zu zeigen, dass je die Rosenkreuzer den Namen der Unsichtbaren geführt haben sollten. Eben so wenig kommt ihnen der Name der Unsterblichen zu, welchen sich bloß einige gnostische Parteien in den allerersten Zeiten der Kirche gegeben haben. Der Name Illuminaten aber war bloß der Name, den einige Quäcker und Quietisten, in Spanien vornehmlich, führten. Er ist nie den Rosenkreuzern eigen gewesen, und nie wird man es erweisen können, dass ja die Rosenkreuzer unter diesem Namen eine einzige Schrift in die Welt geschickt haben sollten.

Nach einer Beurteilung der vorgeblich ältern Rosenkreuzerei, worüber man aber weit bessere und ausführlichere Nachrichten beim Arnold und Baumgarten antrifft (S. Arnolds Kirchen- und Ketzerhistorie und Baumgartens Gesch. der Religionsparteien), kommt der Verfasser auf eine Zergliederung der sogenannten chymischen Hochzeit des angeblichen Christian Rosenkreuz, und auf die zu Frankfurt 1617 herausgekommene Confession, die er nach seinem Sinn und Belieben erklärt, nämlich von einem politischen System des Ordens, sich dem Despotismus und den Pfaffen zu widersetzen.

Über diese Erklärungen ließe sich vieles sagen. Ich frage aber nur das einzige, ob es dem Verfasser behagen würde, wenn ein Fremder ganz unberufen zufahren, und dasjenige, was in der Maurerei bildliches sein mögte, auf eine gleiche Weise erklären wollte?

Diese Gesellschaft, heißt es endlich, sei verschwunden, aber es wären darauf Betrüger aufgestanden, die sie als noch existierend, und als eine solche angegeben, die vom Anfang an mit der Freimaurerei in Verbindung gestanden, und dieser verderbliche Betrug, der in Frankreich geboren wurde, habe vor 15 Jahren, bei einer gewissen Revolution in Deutschland, auch hier sich weit ausgebreitet. Bei dieser Gelegenheit wird der seel. Professor Schröder in Marburg als ein solcher angegeben, von welchem sich eigentlich die Rosenkreuzerei in Deutschland herschreibe, bis ein paar Avantüriers diese Gesellschaft förmlich zu Stande gebracht. (S.119.120.121) Ich habe es gleich zu Anfang gesagt, dass ich nicht über diese Gesellschaft, zu der ich nicht gehöre, zu urteilen im Stande bin. Die Rosenkreuzerei steht auch mit der Maurerei selbst nicht in Verbindung. Ihre herausgegebenen Schriften, die der Verfasser anführt, (S. 123) sind freilich nicht erbaulich, und wenn das alles seine Richtigkeit hat, was der Verfasser ihnen Schuld gibt, so ist diese Sozietät wenigstens eben so schädlich, als diejenige der politischen Projektmacher. Aber gänzlich falsch ist es, wenn der Verfasser die Rosenkreuzerei aus Frankreich herleitet, und den seligen Professor Schröder in Marburg als ihren Stifter in Deutschland angibt. Diese offenbare Unrichtigkeit ist kein vorteilhaftes Zeugnis für seine Sache, und noch weniger ist es dieses, dass er das Andenken eines rechtschaffenen Mannes, der schon hinweggegangen ist, also zu brandmarken sucht.

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