Über die alten und neuen Mysterien – 18 – Von den Uneinigkeiten unter den Freimaurern


cropped-pompeii-villa-of-mystery-3Ich komme jetzt darauf, über eine Materie einiges Licht zu verbreiten, woran Maurern und Fremden sehr viel gelegen ist, und diese betrifft die unter den Freimaurern herrschenden Uneinigkeiten.

Man sollte wohl nichts weniger erwarten, als dass in einem Orden, der vom Anfang bis ans Ende nichts als Bruderliebe atmet, Uneinigkeiten statt finden sollten. Aber dennoch ist nichts gewisser, als dieses. So lange man noch Unparteilichkeit und Billigkeit reden lässt, kann es niemand befremden. Die christliche Kirche ist die vollkommenste Gesellschaft, die gedacht werden kann. Liebe ist ihr Haupt- und Grundgesetz: Und dennoch in wie viele Parteien ist sie zersplittert, die sich untereinander hassen und verfolgen! Denn sie ist unter Menschen gestiftet, und hat Menschen zu Mitgliedern. Man kann sich also auch vom Maurerorden nichts vollkommenes versprechen, der nicht außer dieser Welt gegründet ist, und sich gleichfalls aus Menschen seine Mitglieder nimmt. Bei einer so ausgebreiteten und zahlreichen Gesellschaft, als die Maurerei ist, kann man auch wohl nicht leicht ein anderes erwarten. Die Gesinnungen, Begriffe und Absichten der Menschen sind zu sehr verschieden, und es ist daher kein Wunder, dass die Verschiedenheiten am Ende in einer zahlreichen Gesellschaft, und der es noch überdies an äußeren Mitteln fehlt, dieselben in gehörigen Grenzen zu halten, in Uneinigkeiten ausarten.

Eben so wenig, als das Ansehen der wahren Mysterien bei den Alten etwas dadurch verlor, wenn einmal pflichtvergessene Bürger sich des heiligen Dunkels und des Stillschweigens der Mysterien bedienten, um darunter ihre schädlichen politischen Pläne zu verbergen, oder wenn ein Prophet Alexander mit seinem neuen Gott Glykon den einfältigen Pöbel von Paphlagonien hinterging; eben so wenig kann es der wahren Maurerei den mindesten Nachteil bei billigen und denkenden Männern zuwege bringen wenn sie von dergleichen Trennungen und Spaltungen unter den Maurern hören. Diese Sache aber verdient eine nähere Untersuchung.

Nicht gar lange nach der Stiftung der Maurerei fanden schon dergleichen Verschiedenheiten gewissermaßen statt. Dies kam teils daher, dass diejenigen, bei welchen die Maurerei zuerst entstand, nicht geneigt waren, sie andern mitzuteilen, und als sie dennoch bei andern in etwas bekannt wurde, diese dasjenige, was ihnen abging, auf andere Weise zu ersetzen suchten: teils aber hatten diese Verschiedenheiten der verschiedenen Denkungsart der Völker, unter welchen die Maurerei gegründet wurde, ihren Ursprung zu verdanken. Ungeachtet aller dieser Verschiedenheiten aber wusste man ganze Jahrhunderte lang von keiner Uneinigkeit, von keiner Trennung unter den Maurern. Man redete von vollkommnen und besser unterrichteten Brüdern: Aber das war auch alles. Es erkannte einer den andern für einen guten Maurer und Bruder, und es kam niemanden ein, das Band der allgemeinen Freundschaft und der Liebe darum zu zerreißen, weil sich dieser diesen, und ein andrer jenen Begriff vom Orden machte, oder weil jener nicht so gut als dieser von den Geheimnissen unterrichtet war. Das Wort Ketzerei war etwas den Maurern ganz Unbekanntes. Fand man im Äußeren, in der Regierung der Loge, in den Gebräuchen, und in dergleichen Dingen, die dem kleinen Maurer am auffallendsten sind, eine Verschiedenheit; so begnügte man sich damit, dass man sagte: in dieser Loge ist es so, in jener anders! Aber es kam niemanden in den Sinn, einen einzigen Bruder, geschweige denn eine ganze Loge, zu einer anderen Verfassung zu bekehren. Und so waren alle Maurer vom Nord- bis zum Südpol gleiche Brüder, die sich alle für gute Maurer erkannten, und bemüht waren, einander die Pflichten zu beweisen, wozu sie sich bei ihrem ersten Eintritt in den Orden verbindlich gemacht hatten. Dies war auch der beste Weg, den man für eine so ausgebreitete Sozietät nur immer wählen konnte.

Aber vor ungefähr 17 bis 18 Jahren änderte sich dieses. Es ging eine wichtige Revolution in Deutschland in der Maurerei vor, und daraus entstanden eigentlich die Uneinigkeiten, Sekten und Systeme, die von diesen Zeiten an diesen einträchtig brüderlichen Orden aufs elendste zersplittert haben. Ich glaube wohl, dass die Begierde einiger deutschen Freimaurer, noch immer besser und tiefer von den Geheimnissen des Ordens unterrichtet zu sein, dazu die erste Veranlassung gegeben. Das würde aber doch wenig oder gar nichts ausgerichtet haben, wenn sich nicht Leute gefunden hätten, die geglaubt haben, dass sie diese Neigung der Freimaurer zu ihrem Vorteil nutzen könnten: denn schon Jahrhunderte vorher hatte es nie dem Orden an Gliedern gefehlt, die immer besser und vollkommner unterrichtet zu werden gesucht haben sollten. Aber nun standen wirklich Leute auf, die sich diese Wissbegierde zu nutze machten, ihr System, wie sie es nannten, für die einzige wahre Maurerei ausgaben, und nicht nur durch den verführerischen Namen, dass sie die strengste Observanz des Ordens, der anderweitig verfälscht wurde, genau beibehalten hätten, sich einen Anhang machten, und diesen Anhang durch allerlei glänzende Hoffnungen und Vorspiegelungen desto fester an sich zu binden suchten, sondern auch durch ihre Missionarien, die gleichsam den verderbten Orden reformieren sollten, ihre Zahl zu vergrößern trachteten. Unterrichtete Maurer wissen, von welchen Veränderungen ich rede. Auch selbst aufmerksamen Fremden ist dies nicht ganz entgangen.

Hier entstand das große Schisma im Freimaurerorden, das vielleicht niemals wird geheilt werden. Denn diese angeblichen Verbesserer, die alles, was sich nicht unter ihnen schmiegte, unter die Füße treten wollten, erklärten alle anderen Freimaurer für unecht, verschlossen ihnen ihre Logen, verboten ihren Gliedern, die Logen ihrer bisherigen Freunde zu besuchen, ja sogar Briefe, die den Orden beträfen, von ihnen anzunehmen, oder selbige doch an die Chefs der neuen Reformation zu schicken, und nach der Vorschrift derselben ihre Antwort einzurichten. Man begreift leicht, dass diese Art von Exkommunkation auf der anderen Seite ein gleiches hervorbrachte, und verfuhr man gleich nicht mit solcher despotischen Strenge, so war doch einmal die Spaltung da: man nannte sich nach diesem oder jenen System oder Observanz, und wie niemals eine Spaltung in der Welt gewesen ist, wobei sich nicht immer Hass und Zwietracht eingemischt hätten, so geschah es auch hier, und unter denen, die sonst nur eine einzige allgemeine Sozietät, deren Glieder sich gegenseitig liebten, ausgemacht hatten, entstanden nun zwei Hauptparteien, die sich einander gegenseitig hassten.

Aber dies war nur gleichsam der Anfang. Denn so fest auch diejenigen, die die Urheber jener unglücklichen Trennung unter Brüdern gewesen waren, ihr System zusammengeklammert zu haben glaubten, so wenig hielt es zusammen, und alle die Stützen, womit man dieses auf Treibsand errichtete Gebäude zu befestigen suchte, waren nicht im Stande, dasselbe zusammen zu halten. Man sah vielfältig die Unrichtigkeiten, das Leere, das Zweckwidrige desselben ein. Hier rissen sich Brüder los, und suchten sich anderwerts dasjenige zu erhalten, was sie dort vergebens gesucht hatten, dort taten es andre auf andre Weise. Einige gingen zu ihrer ehemaligen Verfassung zurück, die, wenn sie ihnen gleich nicht viel außerordentliches wirklich gewährte, doch auch die Unbequemlichkeiten nicht hatte, die sie dort fanden: andre folgten ihren eignen Gedanken, ohne sich um diese oder jene viel zu bekümmern, und nebenher entstanden noch andre, die, durch das Beispiel jener Reformatoren aufgemuntert, auf eine andre Weise dasjenige taten, was von jenen geschehen war. Und auf solche Weise wurde in einer Zeit von 15 bis 17 Jahre der einzige maurerische Körper, der ganze Jahrhunderte hindurch nur ein brüderliches Ganzes ausgemacht hatte, in verschiedene Parteien jämmerlich zerrissen.

Man würde sich sehr irren, wenn man glauben wollte, dass diese Verschiedenheiten Kleinigkeiten betreffen. Freilich haben eben diejenigen, welche Urheber der Trennungen im Orden gewesen, auf dergleichen Kleinigkeiten oftmals ihre Rücksicht genommen. Dies ist kein Wunder. Haben sich doch wohl Theologen und Grammatiker um einen Ausdruck, eine Distinktion, eine Konstruktion von ihren Brüdern getrennt, und Mönche darüber sich jämmerlich verfolgt, ob die Kapuze lang, spitz, oder rund sein müsste; warum sollten sich nicht die Freimaurer darum zanken können, wenn sie sich rühmen, das von Alters wohl hergebrachte genau und streng beibehalten zu haben? Aber diese Uneinigkeiten und Verschiedenheiten betreffen doch immer Dinge von Wichtigkeit, die nichts geringers als den Zweck, und den innern Gegenstand des Maurer-Ordens betreffen, und in dieser Hinsicht kann man eigentlich drei Hauptparteien annehmen. Die eine hat ihr vorzügliches Augenmerk auf Dinge gerichtet, welche, wenn man sie genau betrachtet, nicht wert sind, dass man sich damit beschäftigt. Die denkt entweder an keine Geheimnisse, oder gibt sie gewissermaßen auf, und setzt an deren Stelle Pläne, die im Grunde untersucht Chimäre sind, wenn man auch nicht einmal sagen will, dass sie den ersten Grundregeln des Ordens ganz entgegen laufen. Dies ist ihr Gegenstand, und der Zweck, dem sie entgegen eilen. Man sieht es ohne mein Erinnern ein, dass diese Partei für einen jeden Zeit- und Geldverderblich ist, und dieser Partei ist es auch eigen, alles zu unterdrücken, was nicht mir ihr stimmen will. Denn so eitel ihre Pläne sind, so eifrig gehen sie denselben nach, und versuchen es bald auf diese, bald auf eine andre Art, ihre Absichten zu erreichen. Eine andre Partei verwirft beides, jenen Gegenstand sowohl, als jenen Zweck. Sie lacht eben so sehr über jene Pläne, als sie ihr ganzes Verhalten mißbilligt. Sie lässt dem Orden die Gerechtigkeit widerfahren, dass in seinem Schoß die erhabensten Geheimnisse verborgen liegen. Sie sucht dieselben aufzuspüren. Aber sie übertreibt es, macht sich Vorstellungen, die keinen Grund haben, wählt Mittel, die nicht die rechten sind. Wo jene gar keine Geheimnisse, sondern nur ihre Gesellschaft, ihre Pläne sehen, da sehen diese lauter außerordentliche Dinge, und, ohne Vermögen zu unterscheiden, fallen sie daher oftmals Leuten in die Hände, die sich ihrer Geheimnissucht bedienen, um sie zu nutzen, und aus einem Labyrinth in den andern zu führen. Ich glaube nicht zu irren, wenn ich die sogenannte Rosenkreuzerei mit auf diese Seite stelle. — Die dritte Partei hängt gewissermaßen keiner von beiden an. Sie gibt die Geheimnisse des Ordens zu, aber sie glaubt, und das mit Recht, dass sie das Teil weniger Menschen sind. Sie macht weder Pläne, noch geht sie auf die Geheimnisjagd aus. Sie sucht ihre Glieder zu guten und liebevollen, gesitteten Menschen zu bilden, und glaubt dadurch dem ganzen Zweck des Ordens ein Genüge zu leisten. Von dieser Art sind viele französische und englische Logen auch unter den Deutschen. Fehlerfrei sind sie zwar nicht; aber immer weit sicherer für den Fremden, als jene beiden andern: und wenn ein Maurer von vollkommener Erkenntnis sich einen Schüler aussuchen wollte, so müsste er sich unter diesen Maurern, deren Kopf noch nicht von überspannten Begriffen erfüllt, und deren Herz noch nicht durch törichte Einbildungen verwüstet ist, seinen Zögling wählen.

Der wahre Maurer sieht über alle diese Parteien weg. Er weiß, welchen unglücklichen Vorfällen sie ihr Dasein zu verdanken haben. Er erkennt sie allesamt für Maurer und für Brüder, ob er gleich an ihre Arbeiten, ihrem Zweck, ihren Einrichtungen manches mit Grund auszusetzen hat, so wie der weise Christ alle Christen für seine Brüder erkennt, ob er gleich nicht alle Partikularmeinungen und kirchliche Verfassungen einzelner Parteien billigt. Man mag aber noch so verschieden unter den Christen denken, und die einzige Kirche mag in noch so viele kleine Parteien zerrissen sein, die Religion bleibt immer groß, und der Gegenstand der Ehrfurcht, der Liebe und Bewunderung der Welt. Und die Maurerei mag in noch so viele Zweige sich teilen, sie bleibt immer die erhabenste und vortrefflichste aller Sozietäten, da die größten Geheimnisse in ihrem Schoß danieder gelegt sind. Diese sind immer das Teil weniger Menschen gewesen, und werden es auch nur immer bleiben. Das ist aber der beste Maurer, der, ohne sich mit allerlei törichten und gesetzwidrigen Plänen abzugeben, noch nach Dingen zu greifen, die seine Hand von selbst nimmermehr erreichen kann, durch ein edles Verhalten Selbstverbesserung, durch Liebe gegen seine Nebenmenschen, und vorzüglich gegen seine Brüder, sich der Geheimnisse des Ordens würdig zu machen suchet.

Intaminatis fulget honoribus
Coetusque vulgares et udam
Spernit humum fugiente penna.

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