Club 45 oder „Die Rote Loge von Wien“


Club_45Der Ursprung der Loge Club 45, auch bekannt als „Die Rote Loge von Wien“, kann auf drei einflussreiche Männer zurückverfolgt werden: Leopold Gratz, Hannes Androsch und Udo Proksch.

Gegen Ende der 1960er Jahre versammelte der junge Parlamentarier und Sekräter der SPÖ (Sozialistische Partei Österreichs), Leopold Gratz, eine Gruppe von Freunden aus der Sozialistischen Studentenvereinigung, die alle ihre Karriere im Jahr 1945 begonnen hatten (daher der Name „Club 45“). Sie schworen sich lebenslange Freundschaft und gegenseitige bedingungslose Unterstützung ihrer persönlichen Karrieren. Ihr Ziel war politischer Einfluss, wirkliche Macht, Erfolg und Geld. Klingt das vertraut?

Etwa zur gleichen Zeit, im Jahr 1969, schickte Kanzler Bruno Kreisky seinen Schützling Hannes Androsch (der später Außenminister wurde) für ein Jahr auf die Harvard Universität. Dort besuchte er die Seminare von Henry Kissinger. Androsch wurde besonders erregt von Kissingers Vorträgen über „die Organisation und Ausübung von Macht“.

Nachdem er nach Österreich zurückgekehrt ist, wusste Androsch, was zu tun ist. Er erzählte ein paar Freunden, dass sie eine besondere Freimaurer-Organisation innerhalb der SPÖ starten sollten. Auf diese Weise könnte eine kleine Gruppe relativ schnell die Spitze erreichen, zuerst innerhalb der Partei und danach im ganzen Land.

Der dritte Mann der ursprünglichen Troika, der Abenteurer, Waffenhändler und Soviet-Agent Udo Proksch, entschied sich dafür, die Pläne der beiden sozialistischen Löwen in eine einzige Organisation und in ein einziges Konzept zu kombinieren. Natürlich hatte er darüber hinaus noch seine eigenen Pläne. Proksch stellte sich eine Gruppe vor, die nach der italienischen Freimaurerloge P2 gestaltet ist, dessen Organisator und späterer Meister vom Stuhl, Licio Gelli, sein Vorbild war.

Seitdem der P2-Skandal im Jahr 1981 stattgefunden hatte und die geheime Loge der Öffentlichkeit bekannt wurde, wurde der Club 45 mit der P2 verglichen, und „Die Rote Loge von Wien“ wurde die österreichische P2 genannt. Es gab allerdings bedeutende Unterschiede. P2 hatte 3.000 Mitglieder aus allen politischen Parteien, mit Ausnahme der Kommunisten. Club 45 hatte nur ungefähr 300 Mitglieder, alle Sozialisten, und „sehr ehrenvolle und angesehene Personen“ (Kreisky).

Der Club 45 ist untrennbar mit dem Cafe Demel in Wien verbunden. Im April 1972 hatte Udo Proksch das alte Cafe über einen Bevollmächtigten erworben. All die alten Kunden rannten davon, als das Essen immer schlechter wurde und die Preise gestiegen sind. Für viele alte Kunden war die Grenze erreicht, als die neuen Besitzer das Jubiläum der Oktoberrevolution feierten, mit dem brennenden Winterpalast und Porträts von Lenin aus Marzipan (!).

Anstelle der alten Kundschaft versammelte sich nun die Spitze der Österreichischen Sozialdemokratischen Partei: Leopold Gratz, Helmut Zilk, Hannes Androsch, Erwin Lanc, Franz Vranitzky, Fred Sinowatz und Karl „Charly“ Blecha. Kanzler Bruno Kreisky durchschnitt das Band bei der großen Neueröffnung, die der Renovierung durch die neuen Besitzer folgte.

Für viele Jahre gedeihte das Clubleben heimlich in „Der Roten Loge“. Bei ihren Logentreffen in den oberen Stockwerken des Cafe Demel, geschützt vor jeder demokratischen Kontrolle, verschworen sich die Freimaurer des Roten Cafes und erweiterten ständig ihre Positionen. So wie in Italien mit der P2 existierte bald ein Staat im Staat. Es gab eine Zeit, als Österreich praktisch vom Club 45 aus dem Cafe Demel regiert wurde. Es gab auch eine Zeit, als niemand ein Mitglied der österreichischen Regierung werden konnte, ohne Freimaurer zu sein.

Unter den prominenten Sozialisten, die zwischen den Jahren 1974 und 1989 durch ihre Mitgliedschaft in „der Roten Loge“ in die Regierung gekommen sind, können die folgenden erwähnt werden: Franz Vranitzky (Kanzler), Fred Sinowatz (Kanzler), Hannes Androsch (Vize-Kanzler), Leopold Gratz, Heinz Fischer, Helmut Zilk, Karl Sekanina, Günther Haiden, Herbert Salcher, Franz Kreuzer, Willibald Pahr, Gerhard Weissenberg, Karl Lausecker, Ernst-Eugen Veselsky, Karl Lütgendorf und Erwin Lanc.

Die mächtigsten Menschen in Österreichs Finanzkreisen waren natürlich ebenfalls Mitglieder des freimaurerischen Cafes: Walter Flöttl (BAWAG), Karl Vak (Zentralsparkasse der Gemeinde Wien), Hannes Androsch (Creditanstalt), Heinz Kienzl (Nationalbank), Theodor Mellich (Girozentrale), Otto Binder und Erich Göttlicher (Wiener Städtische Versicherung); Führungskräfte aus den verstaatlichten Unternehmen wie Walter Fremuth (Verbundgesellschaft), Kurt Meszaros (OMV), Heribert Apfalter (VOEST) und Johann Buchner (Chemie Linz).

Dort waren auch leitende Angestellte der Medien wie der Kronen-Zeitungs Redakteur Friedrich Dragon und der ORF-Vorsitzende Teddy Podgorski, sowie der Chef der Wiener Polizei Karl Reidinger.

Der kluge Besitzer des Cafe Demels, Udo Proksch, wusste, wie man diese bizarre Freimaurerei für seine eigenen Zwecke verwenden konnte, und er war nicht alleine. Es kann gezeigt werden, dass alle großen Korruptionsaffairen in Österreich von Mitte der 70er Jahre durch die 80er Jahre hindurch in einem der Zimmer im Obergeschoss des Cafe geplant und koordiniert wurden. (Hans Pretterebner, „Der Fall Lucona: Ost-Spionage, Korruption und Mord im Dunstkreis der Regierungsspitze„, Wien, 1989, Seite 84).

So war es nur natürlich, dass der Club 45 auch das ideale Zentrum für illegalen Waffenhandel war. Proksch hatte nachdrücklich bestritten, irgendetwas damit zu tun zu haben. Bereits am 1. Juni 1976 existierte ein Dokument (No.84-Verschl-HbeschA/76) vom Heeresbeschaffungsamt, welches mehr als 50 Personen auflistete, die an derartigen Aktivitäten beteiligt sind, Proksch war Nummer 25 auf der Liste.

Nach der Ermordung des italienischen Politikers Aldo Moro im Jahr 1978 versuchte die Polizei in mehreren Ländern die Mordwaffe ausfindig zu machen, eine tschechische Maschinenpistole vom Typ Skorpion. Die Suche führte sie nicht direkt in die Tschechoslowakei, sondern zuerst nach Österreich.

Am 19. April 1978, ein paar Monate vor der Ermordung von Aldo Moro, wurden 150 solche Maschinenpistolen an ein Depot in Niederösterreich geschickt, welches Proksch gehörte. Von dort wurden die Waffen nach Italien ausgeliefert.

Die Wiener Zeitung Kurier fragte Proksch am 25. November 1979: „Herr Proksch, sind Sie ein Spion für den Osten und ein Waffenhändler? Und wie erklären Sie sich, dass das Hauptquartier der deutschen Polizei Sie für den Lieferanten von tschechischen Handfeuerwaffen an italienische Terroristen hält? Es ist bekannt, dass Aldo Moro mit einer solchen Waffe getötet wurde.“

Proksch tat die Frage ab und sagte: „Was mit Aldo Moro passiert ist interessiert mich nicht. Ich kenne kein einziges Mitglied der Roten Brigaden.“

Mit wichtigen Freunden wie den Brüdern aus „der Roten Loge“ konnte man Proksch natürlich nichts anhängen. Er sagte: „Der Club 45 ist mein Schutz vor den Intrigen, die gegen mich gerichtet sind.“ (Hans Pretterebner, op. cit. SS 75-89)

Der bodenlose Sumpf, den die politische Freimaurerei sogar in einem solch kleinen Land wie Österreich ausmacht, hat dazu geführt, dass ein Emporkömmling und Nicht-Freimaurer wie Jörg Haider sehr populär geworden ist. Die Leute sind den Betrug und die Korruption leid. Die Freimaurer in Österreich und alle in der Europäischen Union befürchten, dass anti-freimaurerische Politiker an die Macht gelangen. Dies würde nicht nur die freimaurerische Machtstruktur gefährden sondern auch all die verfaulten Intrigen ans Licht und die Verbrecher vor Gericht bringen.

aus Juri Lina – Architects of Deception (S. 242-245)

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