Über die alten und neuen Mysterien – 17 – Fortsetzung


cropped-pompeii-villa-of-mystery-3Von dem Magistro Pianco, der neulich den Rosenkreuzer in seiner Blöße hingestellet, könnte man sich, als von einem Mann, der selbst zu dieser Sozietät gehört hat, mehr versprechen. Aber außerdem, dass die alte Wahrheit: omnis Apostata est persecutor sui Ordinis (Jeder ist ein Abtrünniger Verfolger der Bestellung) Mißtrauen gegen seine Nachrichten erweckt, zeigt sich eben dieser Schriftsteller auch als einen Mann von außerordentlich wenigem Wissen, und wenigen Einsichten. Wenn die Rosenkreuzer lauter Männer von diesem Schlage unter ihre Mitglieder zählen, so darf man eben nicht besorgen, dass sie eine neue Ketzerei in der Welt stiften werden. Ich muss dieses in einiges Licht setzen, da es dem Verfasser beliebt hat, sich an eine Materie zu wagen, die zu ferne für ihn lag, nämlich in die Mysterien der Alten.

Die Einteilung des Verfassers von den Geheimnissen in zwei Arten von Bund, von welchen der eine die Religion, der andere aber die Wissenschaften betroffen, ist schon ganz unrichtig, und ein bloßes Ideal, das er sich selbst gebildet hat. Alle Alten reden nur von größern und kleinern Geheimnissen. Eben so ist, was von den drei Klassen gesagt wird, die in dem andern Bunde stattgefunden haben sollen, ein Hirngespinst, wovon kein einziges Zeugnis aus dem ganzen Altertum angebracht werden kann: und eben so erdichtet ist auch, was der Verfasser vorgibt, dass die Häupter der Geheimnisse ein gleiches Dreieck, als ein Zeichen des Demiurgus, und der Allmacht, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes getragen haben sollen. (Seite 30) Wenn man die vier ersten Kapitel dieses Aufsatzes liest, wenn sie ein Mann liest, der mit den Schriften der Griechen und Römer bekannt ist, so dünkt man sich in eine ganz andre Sphäre versetzt zu sein, so unwahr, so höchst unwahrscheinlich, und ganz dem Zeitalter, in welchem die Mysterien der Alten blühten, widersprechend sind diese Nachrichten, und was muss man denken, wenn dieser Mann, der alles aus sich selbst schreibt, der zwar die Namen Platon, Porphyr, Strabon, und andere nennt, aber unmöglich einen einzigen von ihnen gelesen haben kann, alle Initiierten und Mystagogen der alten Welt, die von diesen Schriftstellern so hoch geschätzt werden, am Ende für nichts anders, als für die listigsten Betrüger erklärt? Doch das kann niemand befremden, da eben dieser Schriftsteller die planen im Mose selbst vorkommenden historischen Wahrheiten für eine bloße Allegorie hält, die an sich unmöglich, und mithin, wenn man sie nicht allegorisch verstehen will, Lügen gewesen. (Seite 48)

Nichts ist elender, als was man vom fünften Kapitel an über den Sturz der alten Einweihungen, von den darauf vorgeblich entstandenen magischen Brüdern, Tempelherren, (die hier wie Saul unter den Propheten stehen), und den verschiedenen Auferstehungen des angeblich alten Bundes der Weisen durch Rosenkreuzer und Freimaurer liest. Sprünge in der Geschichte von wenigstens acht bis neun Jahrhunderten sind diesem Verfasser eine Kleinigkeit. Gott erbarme sich der langen Beine, die solche Sätze machen! Man darf dieses ganze Gemengsel nur gelesen haben, um sich vollkommen davon zu überzeugen, dass man mit einem Schriftsteller zu tun habe, dem es auf allen Seiten gebricht.

Nach dieser Geschichte geht der Verfasser zur Widerlegung seiner ehemaligen Ordensbrüder. Sind in der Tat die Rosenkreuzer solche Leute, als sie hier geschildert werden, so verdienen sie es allerdings, also gezüchtigt zu werden. Ich glaube auch nicht, dass das bündigste Versprechen irgend einen Menschen zurückhalten kann, seine Nebenmenschen für etwas zu warnen, was ihnen nachteilig werden kann. Ein solches Versprechen ist an sich schon ungültig, und dies noch um so viel mehr, wo gegenseitige Verträge dabei zum Grunde liegen. Unrecht handeln allerdings die Rosenkreuzer, wenn sie sich nicht nur zu den Freimaurern zählen, sondern wohl gar für die echten und einzig wahren Glieder dieses Ordens wollen gehalten sein, wie man aus ihren neuerlich herausgekommenen Schriften sieht. Aber so viel dieser Verfasser, als ein ehemaliger Rosenkreuzer, immer für sich haben mag, eben so viel hat er auch wider sich, und es ist kein einziger seiner Zweifel, bei welchem nicht eben so vieles, als bei seiner Geschichte erinnert werden könnte. Aber ich habe nicht den Beruf, ein Verteidiger einer Gesellschaft zu sein, die mir immer fremde ist, und bleiben wird.

Ich kann indessen nicht umhin, aus der Schlussrede des Verfassers einige auffallende Unrichtigkeiten aufzuzeichnen. Seite 144 gibt derselbe seinen ehemaligen Mitbrüdern Schuld, dass sie den Moses nicht verstehen. Dawider habe ich nichts: denn ich habe nie zu den Füßen eines Kreisdirektors gesessen, um von seiner Exegetik urteilen zu können. Aber diejenige des Verfassers ist höchst jämmerlich. Die ganze Geschichte von dem vom Mose zerstörten goldnen Kalbe hält dieser neue Schriftausleger für eine Allegorie, weil es, seiner Meinung nach, wobei er sich das Ansehen eines großen Physikers gibt, natürlich unmöglich gewesen, das Kalb aufzulösen und den Israeliten zu trinken zu geben. Neuere Naturverständige hingegen sagen, dass man Gold in Hepar Sulphuris auflösen und alsdann jemand zu trinken geben könne. (S. Visionen neuerer und neuester Zeiten. p.54 wo eben diese Geschichte erklärt wird) Doch dieses war nur eine bloße Unwissenheits-Sünde. Der Verfasser verdreht aber auch vorsätzlich den Text. Denn nirgends sagt Moses, dass er das Kalb in nichts verwandelt habe, wie er ihn sagen lässt. Was kann dieser Mann aus der Bibel machen, wenn er sie erst unrichtig anführt, und dann die also angeführten Stellen für lauter Allegorien ansieht! So ist ihm auch die ganze im Mose vorkommende Geschichte, von der Schöpfung des Lichts, von der Bildung des Firmaments, eine Allegorie von den Sünden, und der verderbten menschlichen Natur. Kann was erbärmlicheres gefunden werden? Dies ist ein zweiter Woolston. An einem so kranken Kopf konnten die Rosenkreuzer gewiß nicht viel verderben, und eben so wenig an ihm verlieren. Man kann nun schon leicht urteilen, wie es diesem neuen Schrifterklärer geht, wenn er sich mit der Apokalypse abgibt. Ich glaube wohl eben nicht, dass die Rosenkreuzer aus der Apokalypse viel Kluges herausbringen werden. Aber seine Erklärung vom siebenten Siegel, als der siebenten Hauptsünde, oder der Trägheit, ist in der Tat nicht viel tröstlicher. Mit ist es wahrscheinlicher, dass unter dem siebenten Siegel verstanden werde, wenn Thore Weise sein wollen. Denn nach Eröffnung des siebenten Siegels ward eine große Stille, und wenn jene laut werden, schweigen diese.

Seite 168 trifft man eine sonderbare Definition von Magie an, dass sie eine Kunst sei, Begebenheiten hervorzubringen, welche die natürlichen Kräfte der Körper zu übertreffen scheinen. Ich zweifle sehr daran. Wenn Platon von den persischen Prinzen sagt, dass sie in der Magie des Zoroasters unterrichtet wurden, hat er gewiß nicht diese Definition vor Augen gehabt. Platon erklärts auch selbst, wenn er sagt, dass dies Religionsausübungen wären. (Plato Alcibiad. p.32) Aber gesetzt, dass hieneben auch auf andre Dinge Rücksicht genommen würde, was sagt Origenes, (Origenes contra Celsum. Lib. I. p.19) der doch wohl etwas gelehrter, als dieser Verfasser, gewesen zu sein scheint? Und dann wird wohl alles wegfallen, was der Verfasser auf verschiedenen Blättern über eine Materie sagt, wovon er auch nicht die allergeringsten Begriffe muss gehabt haben. Immerhin will ich wohl glauben, dass sie die Rosenkreuzer viel zu viel beimessen, und von Dingen reden, die sie selbst nicht kennen: aber gewiß, ihr Widersacher ist nicht klüger, als sie selbst. Jener ihre Prahlereien, und vielfältig untermischte so niedrige, unanständige, und unbefugte Schmähungen verdienen die Missbilligung und das Gelächter eines jeden verständigen Mannes; aber die wirklich pöbelhaften Ausfälle dieses Schriftstellers, was verdienen die? Und in der Hitze seines Zorns vergisst der arme Mann, dass die Schrift selbst von Mose sagt, er habe mit Gott gehandelt, wie ein Freund mit dem andern.

„Alle Magi“, sagt der Verfasser Seite 184, „waren entweder Künstler oder Schelme.“ Der Beweis hievon wird aus der einzigen Stelle des Plinius geführt, nach welcher Nero einige Betrüger, die sich für Magos ausgaben, aus dem Orient nach Rom kommen ließ. Ist dies hinlänglich bewiesen? Was bei den Griechen Philosophen waren, das waren im Orient die Magier. Dass sich unter denselben Leute gefunden, die auf allerlei seltsame Dinge verfallen, und allerlei außerordentliche Sachen zu bewirken gesucht, ist aus der philosophischen Geschichte bekannt genug. Und dass von diesen wiederum manche, wenn sie es nicht wirklich ausrichten konnten, durch allerlei Gaukeleien das Volk zu bereden gesucht, dass sie Wundertäter wären, ist eben so gewiß. Aber wer wird um einiger Gaukler und Taschenspieler willen, die den Namen der Magie entehrten, alle Magier und Philosophen ohne Unterschied in das Verzeichnis der Betrüger setzen? Wer wird alle Ärzte für Marktschreier halten, weil es Quacksalber unter ihnen gibt, und alle Rechtsgelehrten für Rabulisten, weil es Advokaten und Richter gibt, die das Recht verdrehen?

Was der Verfasser von dem Erlag und desselben Einschickung an die Behörde sagt, (Seite 190) schildert freilich die angeblichen Rosenkreuzer von keiner vorteilhaften Seite, und sie mögen sich noch so sehr für echte Freimaurer ausgeben, so zeugt dieses doch ungemein wider sie, wenn es damit seine Richtigkeit hat. Alle dergleichen Geldplackereien sind bei den echten Freimaurern gänzlich unerhörte Dinge. Aber meines Bedünkens ist hier niemand mehr anzuklagen, als der Verfasser selbst, und alle die ihm ähnlich sind. Denn ist es nicht der höchste Grad von Dummheit, dass man solchen Leuten Geld gibt, bei welchen man die erhabne Kunst anzutreffen glaubt, alles in Gold zu verwandeln? Von solchen Leuten müsste man eher erwarten, dass sie gäben, als dass sie nähmen. Aber was kann man sich überhaupt großes von einem Geheimnis versprechen, das für Geld und Geldeswert verhandelt wird? Wenn man bei solchen Propositionen sich noch entschließen kann, zu einer solchen Gesellschaft zu treten, so verdient man nicht bedauert, sondern vielmehr verlacht zu werden.

Bei demjenigen, was der Verfasser über den Eid der Rosenkreuzer sagt, ließe sich freilich noch vieles erinnern: indessen ist es ausgemacht, dass eine Sozietät notwendig gefährlich sein muss, die es von ihren Gliedern fordert, ihr kein Geheimnis zu verschweigen. Sollte es möglich sein, dass irgendein Maurer von Einsichten sich in eine solche Verbindung unbedachtsamer Weise einließe; so ist er gewiß nirgends, er mag schwelgen oder reden, für den Meineid sicher. Aber eben dieser Punkt zeigt auch deutlich an, dass diese Leute nichts wissen, sondern nur ihre Verbrüderung dazu anwenden, um durch ihre Mitglieder dasjenige auszuspähen, was ihnen fehlt. Und dieser ihrer Arglist ist nicht weniger zu scheuen, als die Gewalttätigkeit anderer.

So wie endlich diese Sozietät geschildert ist, verdient sie allerdings Abscheu, vornehmlich, wenn man den heimlichen Verfolgungsgeist bedenkt, der in derselben statt finden soll. Nach den letzten Äußerungen des Verfassers, da er sich selbst als einen Mann angibt, der einer ihrer eifrigsten Schüler gewesen, der viele Fremde in diesen Bund gezogen, und es bereut, dass er Mittel zur Verführung andrer gewesen, nach diesen letzten Äußerungen sollte man denken, dass alles, was er sagt, wahr sei, und aus einem mit Liebe des Nächsten erfüllten Herzen herfließe, aber die Bitterkeit und Heftigkeit, die er allenthalben blicken lässt, die notorische Unwissenheit, die man durchgängig wahrnimmt, machen von seiner Sache keine Vorteilhaften Begriffe. Man sieht einen Mann, der eine Rache ausüben will, dem es aber an hinlänglichen Mitteln dazu fehlt, und der also zu Beschuldigungen seine Zuflucht nimmt. Gesetzt aber, dass alles seine Richtigkeit habe: was hilft alles Warnen, wenn man die Personen nicht kennt, die diesen Bund ausmachen, und die Orte, wo sie sich befinden? Diese hätten wir vornehmlich erwartet, und dann würde das Publikum dem Verfasser Dank schuld gewesen sein.

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